Bittersüße Pop-Glanzstücke der Madchester-Senioren – dieses Mal mit hochkarätigen Gästen wie Paul Weller und Johnny Marr.


The Charlatans, Different Days, Britpop, Manchester, Manchester, Review, Kritik, RezensionAusgerechnet in der Woche der Terror-Attacke von Manchester legte eine Band ihr Album vor, die wie kaum eine andere mit der goldenen Ära der Stadt verbunden ist: Madchester und The Charlatans – das steht für eine verdammt verdrogte, verdammt euphorische Zeit, die der englische Norden Ende der 80er zelebrierte. Eine Zeit, die in der Welt dieser Tage weiter denn je entfernt zu sein scheint. Gerade deswegen wirkt „Different Days“ mit seinen kaleidoskopischen Keyboards, melancholischen Piano-Arrangements, hoffnungsvollen Bläsern und Tim Burgess jungenhaften Happy-Sad-Vocals wie der reinste Balsam. Es ist ein zuversichtliches Album, das schon mit seiner Außenhülle strahlende Tage ankündigt und über die Perfektion seiner Gäste hinaus begeistert – immerhin übernehmen Stephen Morris (New Order) und Peter Salisbury (The Verve) das Schlagzeug, Johnny Marr spielt Gitarre und Paul Weller singt. Doch Britpop-Aristokratie hin oder her: Zu hören ist die unauflösbare Chemie einer Band, die schon manch tragischen Verlust hinnehmen mussten. Erst 2013 verstarb nach Keyboarder Rob Collins tödlichem Autounfall von 1996 Drummer Jon Brookes an einem Gehirntumor. Kalte Zeiten sind The Charlatans also gewohnt, denen sie auch auf Album Nummer dreizehn den heilenden Liebreiz von Songs wie "There will be Chances" entgegenstellen.  Open your heart, heißt es darauf so schlicht und doch so schön – für den Frohmut, gegen den Hass. Kann es dieser Tage etwas Wichtigeres geben?

VÖ: 26.5. / PIAS/BMG
Online erhältlich: iTunes / Amazon