Mike Hadreas, der ewige Leidende, wird optimistisch. Auf seinem neuen Album "No Shape“, das er am Dienstag in Berlin präsentiert, tauscht er die wehrlose Verwundbarkeit gegen die schönste Widerstandsform aller Zeiten ein.


Perfume Genius, No Shape, Album, Review, Rezension, Kritik, Musik, Experimental, Rock, 030 Magazin, BerlinEverything is alright … How weird!, singt Mike Hadreas alias Perfume Genius zum Ende seines vierten Albums. Und in der Tat: Man wundert sich. Auf "No Shape" präsentiert der Musiker aus Seattle eine ungewohnte innere Zufriedenheit. Seit 2005 packt Hadreas monströsen Herz- und Weltschmerzen in fragile Kammerpopsongs, deren Geschichten weder persönlicher, noch ausführlicher sein könnten: von der Diskriminierung, die er als Homosexueller erfährt, seiner Drogensucht, dem erlittenen Missbrauch bis hin zu seiner Morbus-Crohn-Erkrankung. Inzwischen lebt er jedoch in einer festen Beziehung, hat aufgehört zu ballern und die Hater-Stimmen aus dem Kopf verdrängt. Daraus entstanden ist eine Platte, die sich mit den Kämpfen wie den schönen Seiten einer queeren Langzeit-Beziehung auseinandersetzt und damit der heterenormativen Gesellschaft den Kampf ansagt. Seinen Sound hat Hadreas dafür mit Prine-„Kiss“-Ära-Sounds, triabelen Drums, Kautrockgerüsten und Kate-Bush-Refereznzen erweitert, während sein Falsett immer noch an Anohni erinnert. Schnellt die Stimme dann ins Crescendo, scheint die Erlösung von allen Qualen gefunden. Die schönste Widerstandsform, so scheint es, ist immer noch die Liebe.

Live MI 14.6. ab 20 Uhr in der Kantine am Berghain