Hamilton Leithauser + Rostam: Nicht ohne Kaffee und Tequila

in Interviews/Musik

Wenn sich zwei finden: Sänger Hamilton Leithauser (The Walkman) und Multi-Instrumentalist Rostam Batmanglij (ehem. Vampire Weekend) legen mit „I had a dream that you were mine“ das erste gemeinsame Album vor. Zwei Jahre standen sie in Batmanglijs Home-Studio, um an Sha-doo-wops,  Country-Einschlag, Piano-Arrangements und Saxofon-Elementen zu frickeln. Herausgekommen sind zehn charmante Singalongs, die den 50ern zunicken. Ein Album, das in den alten Konstellationen wohl kaum möglich gewesen wäre.

Beim Interview ist die Laune trotzdem nur so lala. Leithauser lässt lieber die Sonnenbrille an, während Rostam länger im Bad braucht und anschließend über Kaffee-Entzug klagt.

Rostam: Ich brauche Kaffee!

Gerade wollte ich fragen, wie es sich anfühlt, neuerdings zu zweit unterwegs zu sein!?

Hamilton: Das ist der erste Tag, an dem wir für Interviews unterwegs sind. Wir haben es schon in eine Bar geschafft. Bisher lief alles gut. Ich habe nie mit jemandem zusammengearbeitet. Okay, The Walkmen. Aber die kannte ich alle lange. Eine neue Person zu finden, war revolutionär für mich. 

Wie war das für dich, Rostam?

Rostam: … (schnauft)

Ah, okay. Wenn man euer Album so hört, könne man jedenfalls meinen, man sei zurück in den 50ern. Woher kommt die Faszination für diese Musik?

Hamilton: Viele alte Platten gehört! Rock ’n’ Roll basiert auf der Musik dieser Zeit – auf diesen Melodien und Chord-Progressions. Wir wollten dem Ganzen unseren eigenen Twist verpassen.

Konntet ihr in der Studio-Phase etwas wirklich Eigentümliches an der Arbeitsweise des jeweils anderen entdecken?

Hamilton: Eine Menge. Es gibt da sehr viele lustige Geschichten!

Dann haut mal raus!

Rostam: Dafür brauche ich erst einen Kaffee. 

Hamilton: Wir mögen es beide, morgens zu arbeiten. Ich war froh, dass es Rostam da auch so geht. Das war gut.

Aber nur, solange er seinen Kaffee bekommen hat.

Hamilton: Ja. Und Tequila!

Rostam: Ich habe noch nie so viel Kaffee und Tequila getrunken.

Eine richtige Brüller-Story war das jetzt aber nicht. 

Hamilton: Weißt du was? Du hast recht! (nimmt seine Sonnenbrille ab) Also: Eigentlich hat Rostam mich zwei Jahre lang angeschrien. Ich habe beim Reinkommen immer die Tür offengelassen. Also schrie er und ich musste zurück. Die Tür habe ich dann trotzdem nicht geschlossen.

"So Jungs, jetzt mal gute Laune hier!"
"So Jungs, jetzt mal gute Laune hier!"

Apropos Schreien: Hamiltons Stimme klingt auf der Platte stellenweise auch so.

Rostam: Ja, das war mein Einfluss! Ich wollte, dass er schreit. Hamilton hat mehr Energie in seiner Stimme, als die meisten anderen unserer Zeit. Das muss man rausholen.

Hamilton: Ich wollte schon lange etwas Anderes machen. In der Band haben wir das versucht. Am Ende klang doch alles nach The Walkmen. Du kannst eine Platte von uns anmachen und weißt sofort, dass das The Walkmen ist. Ein bisschen stolz bin ich darauf aber auch.

Rostam: Du kannst sechs Platten von euch anmachen und weißt das. (lacht)

Wir würdet ihr euren neuen Sound beschreiben?

Hamilton: Amerikanisch! Zeitgenössischer amerikanischer Rock. 

Rostam: Hm… (lacht)

Rostam ist nicht so zufrieden damit.

Rostam: Ich mag den Begriff Rock ’n’ Roll nicht.

Warum?

Rock ist eine Referenz zu Mischmasch-Musik. Auf jeden Fall klingen Songs wie „Sunday Morning“ sehr nach Country. Ich stehe darauf. Macht euch bereit: Country is the next big thing.

Ich nagel dich darauf fest.

Rostam: Klar! Ihr werdet schon sehen!

„I had a dream that you were mine“ erscheint am 23. September über Caroline (Universal Music).

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.