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Modedesignerin Franziska Burgert: »Ich bin immer zu Leuten gegangen, bei denen ich viel lernen konnte.«

in Mode/Stadtleben

Moderne Mädchenträume. Einige träumen nur heimlich davon, Franziska Burgert hat es gewagt: Den Sprung in die Selbstständigkeit. Wir haben die 35-Jährige in ihrem Atelier im Prenzlauer Berg besucht und ein bisschen mit ihr über ihre erste eigene Brautmodenkollektion geplaudert.

Weg von einengenden Korsagen und steifen Materialien, hin zu zeitgemäßer, dennoch festlicher Kleidung: Mit ihrer Kollektion richtet sich Franziska an junge und jung gebliebene Frauen, die sich unkomplizierte Brautmode wünschen. Ob Cropped Top mit blütenbesetztem Ausschnitt, sportive Shirt-Bluse mit überschnittenen Schultern, fließender Maxirock oder verführerisches Minikleid im 70er Jahre-Stil: Die Kreationen der Schwerinerin sind alles andere als konservativ! Sie sind feminin, sexy und cool. Assoziationen am Strand mit Blumenkranz im lockigen Haar, Sandalen in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen drängen sich auf.

Inspiration findet sich überall

Ihren Input holt sich Franziska durch ihre Kunden. Sie beobachtet Menschen auf der Straße, stöbert in Zeitschriften, auf Instagram, Facebook und schaut sich natürlich Modeschauen an. »Absolut begeistert bin ich von den letzten Schauen von Chanel und Gucci! Außerdem fühle ich mich sehr zu Paris hingezogen. Ich fliege jedes Jahr hin und hole mir Anregungen. Was mich u.a. auch inspiriert hat, so zu arbeiten wie ich es jetzt tue, sind die französischen Couturiers von früher.« Ein breites Spektrum für Ideen. Dies wirft die Frage auf, welcher Typ Frau zur ihr ins Atelier kommt. »Die meisten Kundinnen sind zwischen 25-40. Frauen wie du und ich. Manche interessieren sich für Mode, andere nicht. Aber das ist auch nicht schlimm – dafür bin ich ja da.« Franziska blickt auf eine bunte Mischung aus verschiedenen Menschen mit den unterschiedlichsten Beweggründen, Ideen und Vorlieben. Das macht für sie den Job so spannend.

Sei du selbst! Es ist dein Tag, deine Hochzeit! Du musst wohlfühlen!

Die Beziehung zwischen Kundin und Designerin ist für die Jungunternehmerin zudem sehr wichtig. Man teilt einen privaten Moment. Im Vergleich zu vielen Brautmodengeschäften verfügt ihr Atelier daher nicht über eine große Schaufensterfront. Es ist klein und strahlt etwas sehr Intimes aus. Das macht den Findungsprozess und die Entstehung gleich viel entspannter und persönlicher, denn so fällt es den Kundinnen leichter, sich einer Fremden anzuvertrauen. Schließlich soll man sich bei der Vorbereitung auf den vermeintlich wichtigsten Tag im Leben rundum wohlfühlen!

Franziska Burgert, 030, Berlin, Mode
Modedesignerin Franziska Burgert in ihrem Atelier im Berliner Prenzlauer Berg.

Couture trifft Bauarbeiterhose

An ihrer Arbeit liebt Franziska besonders, dass sie so abwechslungsreich ist. Sie schneidert Hochzeitskleider, fertigt aufwendige Abschlusskleider für Modegrößen wie Killian Kerner an, designt Superhelden-Capes für Freunde oder näht die Arbeitshosen von Bauarbeitern um. Sie liebt es, sich unterschiedlichen Herausforderungen zu stellen, an denen sie wachsen kann. Langeweile und 08/15-Tage gibt es bei ihr nicht.

Ich bin mir nicht zu schade, auch mal die Gardinen für den Nachbarn zu kürzen

Doch Franziska kreiert nicht nur neue Kleidung, sie schenkt auch alten Kleidungsstücken ein neues Leben. Oft sind es nur kleine Veränderungen, die sie vornimmt, aber dadurch werden aus “ollen Klamotten“ neue Lieblingsstücke. Manchmal passt sie den Fit oder die Länge an, manchmal ergänzt sie Verzierungen wie Fransen und Stickereien. In jedem Fall rettet sie Kleidungsstücke vor dem Mülleimer. Gegebenenfalls macht sie sogar Hausbesuche und hilft persönlich beim Kleiderschrank ausmisten.

Nachhaltigkeit ist selbstverständlich

Nicht nur im Ändern von Kleidungsstücken zeigt sich Franziska als Designerin mit einem hohen Nachhaltigkeitsanspruch. Gefertigt aus Seide, Baumwollspitze und Baumwollgarnen können die Kreationen ihrer Kollektion ganz einfach gefärbt werden, was bei vielen Hochzeitskleidern durch die Verwendung von Polyester und Polyamid nicht möglich ist. Dadurch kann das Outfit – oder auch nur Oberteil oder Rock – nach dem großen Tag “wiederverwertet“ werden. Hinzu kommt, dass die Designs auf Anfrage gefertigt werden. Statt Bedürfnisse zu wecken, startet die Maßschneiderin erst mit der Arbeit, wenn der Wunsch bereits besteht. Ein Teil wird angefragt, gefertigt und verkauft.

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Kein leichtes Arbeitsfeld

Trotz ihrer eigenen kleinen Erfolgsgeschichte ist ihre Sicht auf das Berufsfeld und die Chancen als Nachwuchsdesigner von Skepsis geprägt: »Modedesign ist total überlaufen und es gibt heutzutage leider nur noch sehr wenig junge Maßschneider. Der Verdienst ist schon bei der Ausbildung sehr gering und das zieht sich dann meistens auch bis in den regulären Vollzeitjob.« Das Problem ist aus Franziskas Sicht, dass man nicht konkurrenzfähig ist, wenn man zu hohe Preise verlangt. Hierin sieht sie den Grund, weshalb in den vergangenen 20 Jahren viele Schneidereien schließen müssten. »Ich würde deswegen dazu raten, das Handwerk mit dem Design zu vereinen. Wer sich für den Beruf interessiert, der sollte nicht nur eine Ausbildung zum Designer, sondern auch zum Maßschneider machen. Wenn es nämlich mal nicht so gut laufen sollte mit dem Designen, dann kannst du immer noch als SchneiderIn arbeiten.«

Selbständigkeit geht nicht von alleine

Ein weiterer Aspekt, der für die junge berufstätige Mutter äußerst wichtig ist, liegt in der Unterstützung ihrer direkten Umfeldes. »Wenn man als Kreativer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, braucht es Menschen, die hinter dir stehen.« So bleibt auch Franziskas Freund nicht unerwähnt, der ihr bei der Gestaltung ihres Ateliers geholfen hat. »Dafür bin ich ihm sehr dankbar.« Bleibt am Ende noch eine Frage, welche man eigentlich nicht stellen sollte: Was trägt eine Brautmodendesignerin eigentlich zu ihrer eigenen Hochzeit? »Ich weiß es bringt Unglück, aber ich habe mein Hochzeitskleid selbst geschneidert. Es war ein buntes Art déco-Kleid. Die Inspiration waren Schmetterlinge.

www.franziskaburgert.de

Text: Maike Bartsch