Heinz Strunk, der goldene Handschuh, Fleisch ist mein Gemüse, Studio Braun. Rocko Schamoni, Jacques Palminger, Fraktur, Lesung, Roman, 030, Magazin, Berlin

Lesung: Heinz Strunk – Der goldene Handschuh

in Kultur/Literatur/Stadtleben

Ein Abend mit Heinz Strunk auf dem Hamburger Berg: Am 29. Oktober nimmt der Schriftsteller im Theater und Komödie am Kurfürstendamm in den Goldenen Handschuh mit.


Heinz Strunk. Allein der Name verspricht verschrobene Komik. Sein Humor: Verzerrung pur. Seine Geschichten: So traurig wie unterhaltsam. Strunk verfügt über die Fähigkeiten eines Massenunterhalters, sieht sich selber aber als Schriftsteller. Mit Rocko Schamoni und Jacques Palminger bildet der Hamburger von der „falschen Seite der Elbe" das Studio Braun, das erst den Telefonstreich neu erfand und später mit Theaterproduktionen bekannt wurde. In den frühen 70ern gründeten sie die Band Fraktus und erfanden dem Mythos nach den Techno. Strunks Solo-Meisterstreich: „Fleisch ist mein Gemüse"; ein Bestseller-Roman über seine Jugendjahre als Akne-geplagter Möchtegern-Musiker. Nun ist er mit „Der Goldene Handschuh“ zurück und macht am 29. Oktober auf seiner Lesetour in Berlin Halt.

Im menschlichen Elend versinken

Zwischen Krimi und sozialer Tragikkomödie lädt Strunk in eine Welt aus Mord, Schnaps und Elend. Rechts von der Reeperbahn, am Hamburger Berg 2, versammeln sich die Verlorensten der Verlorenen. Wir sind im Goldenen Hanschuh: eine schimmelige, nach Pisse riechende Kaschemme, in der sich die schlimmsten aller menschlichen Abgründe auftun. Genau hier sitzt Fritz Honka, der Hamburger Frauenmörder. Honka arbeitete als Nachtwächter und brachte zwischen 1970 und 1975 zahnlose Gelegenheitsprostituierte um. Vom Handschuh aus ging es stets in die Dachwohnung, in der mit den Damen bis zur Besinnungslosigkeit gesoffen wurde. Am Ende wachte er neben Leichen auf – ohne einen blassen Schimmer über den Tathergang. Die Körper? Zestückelt hinter einer Wand versteckt. Der Geruch? Übertüncht mit Klosteinen und Wunderbäumen. Na lecker.

Erbarmungslos, aber nie herablassend

Zynisch beschreibt Strunk mit Honda als Synonym für das Böse ein deprimiertes Absturzmilieu –  erbarmungslos, ohne jemals herablassend zu sein. Ein Fünkchen Hoffnung auf bessere Tage bleibt den Protagonisten kurz vor dem Morgengrauen an der Handschuh-Musikbox immer. Erleben werden sie diese dennoch nicht. Das ist tragisch, klar, doch ab und zu lächeln darf man trotzdem. Für Strunks Lesung ist eins jetzt schon sicher: Er ist ein großer Leser und wird sein ganzes Können in die Waagschale werfen.

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh
29. Oktober – 20:00 – 23:00 Uhr
Theater und Komödie am Kurfürstendamm

 

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.