Das bunte Berlin. In der Hauptstadt findet sich eine bunt gemischte und vor allem vielseitige Kunstszene. Doch wie und wo kann Kunst in Berlin entdeckt werden? Und was erwartet Kunstinteressierte im neuen Jahr? 

Berlin gilt nicht ohne Grund als internationale Hochburg der Kunstszene bekannt. Allein in etwa 400 bis 600 der Berliner Galerien finden sich circa 3.000 verschiedene Ausstellungen. Wobei die Zahl und die Ausrichtung von Galerien und Ausstellungen aufgrund der schnelllebigen Kunstszene der Stadt, häufig Veränderungen und Entwicklungen ausgesetzt sind. Galerien gehen Bankrott, dafür feiern andere Eröffnungen und wieder andere ziehen in einen anderen Bezirk. Diverse Kunstwerke verteilen sich insgesamt etwa auf einer Ausstellungsfläche von 57.000 Quadratmetern. Diese Kunstfläche nutzen ungefähr 6.000 Künstler und Künstlerinnen, um sich und ihre Werke zu präsentieren. Neben den kommerziellen Ausstellungen gibt es rund 200 Off-Spaces und nicht-kommerzielle Showrooms. Während sich Kunstschaffende in einigen großen Metropolen der Welt meist auf einem Fleck ballen, verteilt sich die Kunstszene Berlins auf die einzelnen Provinzen. Dort arbeiten und präsentieren sich Künstler wiederum in kaum überschaubaren Sub- und Subsubszenen. Kunstausstellungen finden sich zudem in den über 170 Museen, die sich über das Stadtgebiet und einzelne Bezirke verteilen.  

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Besondere Ausstellungen 

Da die Berliner Kunstszene wirklich vielseitig ist und sich über das Jahr verteilt immer wieder neue Ausstellungen finden lassen, wird nachfolgend ein Überblick über das Spektrum gegeben, welches von Fotografien bis hin zu Mode-Ausstellungen reicht. 

Fotografie: Bilder, die Momentaufnahmen bieten

Im Museum der Fotografie an der Jebensstraße 2 findet sich bis zum 8. Januar 2017 die Ausstellung „MOLES“. Diese Ausstellung ist die Siebte aus der Reihe „Seen By“, die verschiedene Arbeiten von Studierenden der Berliner Universität der Künste präsentiert. Mit der Reihe können kuratorische Maßnahmen in Verbindung mit moderner Fotografie entdeckt werden. Zu sehen sind Werke mit jeweils unterschiedlichen thematischen Scherpunkten. Die Arbeiten kombinieren Fotografie mit Text, Video oder Musik und sind in ihrer ästhetischen Darstellung an Transiträume angelehnt. So zum Beispiel an einen Irish Pub eines Flughafens. Im Museum für Fotografie lassen sich zurzeit noch andere Ausstellungen finden. Das Museum hat montags geschlossen und an den restlichen Tagen immer von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Auch am 1. und 2. Weihnachtstag. Der Eintritt kostet zehn und ermäßigt fünf Euro. Eine weitere Fotoausstellung, die sich weniger um verschiedene Themen als vielmehr um einen Weltstar dreht, ist die Ausstellung „Marilyn Monroe. 90th Anniversary. A Life in Pictures”. Wie der Name bereits verrät, ist die Ausstellung Marilyn Monroe (geb. Norma Jean) gewidmet, die im Jahr 2016 ihren 90. Geburtstag gefeiert hätte. Die Ausstellung umfasst berühmte und selten gesehene Fotografien der am 1. Juni 1926 in Los Angeles geborenen Filmschauspielerin und Sängerin. Zu sehen sind rund 70 verschiedene Originalbilder berühmter Fotografen. Zu finden sind die Fotografien noch bis zum 14. Januar 2017 in der Galerie Hiltawsky an der Tucholskystraße 41. Die Galerie hat immer dienstags bis samstags von 14 bis 19 Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei. 

Staatsballett

Kunst in tänzerischer Gestalt

Wer sich lieber Kunst in Form von Skulpturen ansehen möchte, wird unter anderem im Bode-Museum Am Kupfergruben fündig. Bis zum 22. Januar 2017 findet sich dort die Ausstellung „Casanova und der Tanz“. Der bedeutendste Bildhauer des Neoklassizismus, Antonio Canova, hatte eine Passion für den Tanz. Die Passion machte er in Malereien und Skulpturen aus Marmor deutlich. Bestandteil der Ausstellung sind unter anderem drei lebensgroße Tänzerinnen. Eine der Skulpturen, die Tänzerin mit den Händen in den Hüften, wurde dem Künstler von Napoleons erster Gattin in Auftrag gegeben. Eine weitere Skulptur ist die Tänzerin mit dem Finger am Kinn, die sonst im italienischen Museo Canova aufbewahrt wird. Alle Skulpturen zeigen Canovas Verständnis von weiblicher Anmut. Das Museum hat montags geschlossen und an den restlichen Tagen immer von zehn bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet zwölf und ermäßigt sechs Euro. 

Bunkerbilder bei Boros: Geschichtsträchtiger Ort trifft moderne Kunst 

Im ehemaligen Reichsbahnbunker an der Friedrichstraße haben Kunst- und Kulturinteressierte die Möglichkeit, auf fünf Etagen innerhalb des besonderen Ausstellungsorts unterschiedlichste moderne Kunst zu begutachten. Die dargebotene Kunst umfasst nicht nur Bildern, sondern zudem verschiedene Skulpturen. Vor einigen Jahren hat der Kunstsammler Christian Boros den Bunker gekauft und stellt nun seine Kunstwerke zusammen mit seiner Frau aus. Die Kunstwerke werden oft auch durch musikalische Installationen begleitet. Von Donnerstag bis Sonntag werden etwa eineinhalbstündige Führungen angeboten. Der Eintritt kostet zwölf Euro und die Führungen finden immer zur vollen Stunde auf Deutsch statt. Um die Sammlung in dem geschichtsträchtigen Ort besichtigen zu können, ist sich vorab über die Homepage der Boros Sammlung anzumelden. 

Ausstellung zum Goldenen Schnitt

Im Museum für Kommunikation an der Leipziger Straße 16 kann nicht nur ein geführter Rundgang durch die Welt der Kommunikation gemacht werden. Dabei kann unter anderem das erste Telefon entdeckt oder ein sehr kommunikativer Roboter beobachtet werden. Neben der Dauerausstellung zum Thema „Kommunikation“, bei der die Techniken der Nachrichtenübertragung sowie die Entwicklung des Smartphones und der Schreibkultur in künstlerischer Aufbereitung nachvollzogen werden können, gibt es immer wieder Sonderausstellungen. Zurzeit wird die Ausstellung „Göttlich Golden Genial. Weltformel Goldener Schnitt?“ gezeigt, welche noch bis zum 26. Februar 2017 läuft. Teil der Ausstellung ist nicht nur die Darstellung der Geschichte des Goldenen Schnitts. Gezeigt werden verschiedene Kunstobjekte, die eine offensichtliche Verbindung zum Goldenen Schnitt aufweisen. Anhand der Kunstwerke sind die Proportionen des Goldenen Schnitts, die als harmonisch und klar strukturiert gelten, nachzuvollziehen. Das Museum für Kommunikation hat montags geschlossen, dienstags von neun bis 20 Uhr, mittwochs bis freitags von neun bis 17 Uhr und Samstag sowie Sonntag von zehn bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet vier und ermäßigt zwei Euro. 

berlin alternative fashion week

Modeschöpfungen eines berühmten Designers

In den Fünfzigern machte Modeschöpfer Uli Richter Berlin zu einer angesagten Modemetropole. Das Kunstgewebemuseum auf dem Matthäikirchplatz zeigt anlässlich seines 90. Geburtstags, den der Designer am 28. Dezember feiert, noch bis zum 5. März 2017 die Ausstellung „Uli Richter Revisited – Modedenker, Lehrer, Inspiration“. Richter prägte vor allem in den 60er und 70er Jahren den Begriff „Berliner Chic“. Auf rund 300 Quadratmetern zeigt die Ausstellung Fotografien, Zeichnungen und etwa 40 verschiedene Modekreationen. Zu den Kundinnen Richters gehörten bekannte Größen, wie Hildegard Knef, Rut Brandt oder die Fürstin Garcia Patricia. Jedes Kunstwerk gibt Einblicke in 70 Jahre Modegeschichte. Teil der Ausstellungsstücke ist zum Beispiel das erste Brautkleid, das der Designer im Jahr 1959 entwarf. Und auch zehn junge Modemacher präsentieren ihre Werke, für die sie sich vom Modeschöpfer inspirieren ließen. Das Kunstgewerbemuseum hat montags geschlossen und von Dienstag bis Sonntag hat es von zehn bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet acht und ermäßigt vier Euro. 

Ausblick auf die Berliner Kunstszene im Jahr 2017

Viele der genannten Ausstellungen laufen noch bis Anfang 2017 weiter. Doch was tut sich kommendes Jahr noch so in der Kunstszene Berlins und welche größeren Veranstaltungen wird es für Kunstinteressierte geben? 

Berlin Art Week 

Auch 2017 findet wieder die Art Week statt – und zwar vom 12. Bis zum 17. September. Im Rahmen der Kunstwoche präsentieren die Galerien der Stadt ihre neuen künstlerischen Positionen. Die Art Week passiert an verschiedenen Orten Berlins und zeigt so wiederum die Vielfalt der Kunstszene in der Hauptstadt. Vor allem in den Galerien gibt es diverse Ausstellungen, Installationen und Veranstaltungen. 

Biodemuseum, Museumsinsel, Hauptstadtkunst

Internationaler Museumstag

Den internationalen Museumstag gibt es schon seit 1992. Pro Jahr wird dieser von einem anderen Motto begleitet. Der internationale Museumstag findet das nächste Mal am 21. Mai 2017 statt. Die  Museen in der Hauptstadt laden zu verschiedensten Veranstaltungen ein. Im letzten Jahr haben 62 Berliner Museen etwa 135 Events organisiert. 

Wochenende der Galerien

Vom 28. April bis zum 01. Mai 2017 findet wieder das „Gallery Weekend Berlin“ statt. In den vergangenen Jahren hat die Veranstaltung mit mehr als 50 Galerien und rund 1.000 nationalen und internationalen Gästen große Erfolge verzeichnet. Die Galerien laden zu einem Rundgang ein, bei dem Kunstliebhaber die neuesten Werke begutachten können. Das Kunstwochenende ist eines der verkaufsstärksten Termine auf dem Kunstmarkt. Zur „Gallery Weekend Berlin“ sind bereits Kunstsammler aus den USA, Russland oder China angereist. Im Rahmen der Gallery Weekend werden historische bis zeitgenössische Werke von etablierten Künstlern präsentiert. 

Fotocredits: Titelbild: © AnastasiiaUsoltceva – Fotolia.com (#121443879)