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John McClure: Warum Indie tot ist?

in Artikel/Musik

Jon McClure, Sänger der britischen Indie-Rockband REVEREND & THE MAKERS, macht weder einen Hehl aus seinem Rauchkonsum noch aus seiner großen Klappe. Glaubt man den Medienberichten, so verhielt sich der geschätzte Mann aus der Sheffielder Musikszene äußerst gerne wie ein Idiot. Grund genug, sich vor dem ersten Auftritt in Berlin in seinen Nightliner zu setzen und ihn zu fragen, warum Indie eigentlich tot ist.

Jon McClure: »In England ist Indie tot, weil das Radioprogramm von der Regierung bestimmt wird – wie in Nordkorea. Radio 1 spielt Justin Bieber, Calvin Harris, Bullshit. Radio 2 ABBA für alte Leute. Für uns gibt es keinen Platz. Es ist eine bekackte Wüste, Man. Der zweite Grund, dass Indie tot ist: Die Printmedien in UK sind am Arsch. Niemand kauft mehr Zeitschriften oder Zeitungen. Du kriegst einfach keine Kohle, wenn Du über Bands schreiben willst.

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Interview mit Jon McClure:
Sheffield Working Class Music

Der dritte Grund ist, dass wenn Du zum Beispiel nach London gehst, um Journalist zu sein, erstmal zwei Monate umsonst schuften musst. Wenn Du bei 'ner Plattenfirma arbeiten willst, bist Du auch erstmal zwei Monate unbezahlter Praktikant. Ich bin aus Sheffield, man. Working Class! Ich kann es mir überhaupt nicht leisten, in London zwei Monate umsonst zur Arbeit zu gehen. Und ich kenne auch niemanden, der das kann. Bei den Zeitungen, Radios und Labels sitzen also diese ganzen reichen Bourgeoisie-Kids. Und die verstehen die Musik, die ich mache, natürlich überhaupt nicht. Und viertens: Kokain. Alle koksen mittlerweile. Koksen gehört im Musikbusiness so sehr dazu, dass gar keiner mehr zuhört. Alle reden nur noch. Elektro verträgt sich mit diesem Lifestyle wesentlich besser als Indie, wo es um Text geht, um Lyrik, ums Zuhören. Wenn Du mich fragst, ich glaube, Kokain hat Indie ruiniert. Ich kann natürlich nicht für Deutschland sprechen, dafür kenne ich die Kultur zu wenig. Aber ich kann mir vorstellen, dass es hier ähnlich aussieht.« 

In Deutschland kennt den Musiker und seine Band fast niemand. Lange sei man nicht gut genug gewesen, um live zu beeindrucken. In neuerer Besetzung stellen REVEREND & THE MAKERS (»quasi als Sheffield Supergroup«) nun ihr neues Album vor – als Support der legendären LIBERTINES.

Jon McClure: »Wir sind live besser als wir je waren. Bei den meisten Bands ist das erste Album das beste. Bei uns ist es definitv das fünfte. Was wir Euch jetzt bieten können, ist meilenweit besser, als alles was wir noch vor zehn Jahren drauf hatten.« Das aktuelle Album ›Mirrors‹ klingt nach einem psychedelischen Konzeptalbum aus den 60ern, sagt Jon. »Wie ein Film aus Jamaika. Es steht für sich allein.« Als am Ende der Show Pete Doherty und Carl Barât ihrer Vorband danken, feiert sie eine ausverkaufte Columbia Halle.

Text & Fotos ©: Steffen Rudnik

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.

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