Interview mit Schluck den Druck

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Das Berliner Duo Schluck den Druck kennt nur eine Richtung – Vorwärts. Das dieser Weg alternativlos richtig ist, erfahrt ihr im Interview. Ein Gespräch über Humor, Bass und jede Menge Punkrock.

Wie seid ihr zur Bassmusik gekommen?
Die Bassmusik erweckt einfach unbeschreibliche Emotionen in uns. Schon im Alter von fünfzehn Jahren luden wir bei großen Konzerten bekannter Bands zu brutalen Stage Diving Wettbewerben ein. Wer schafft es auf die Menge und wie lange? Es war nur eine Frage der Zeit bis wir selber auf der Bühne stehen und Gleichgesinnten dieses Lebensgefühl ermöglichen.

Eure Platte "Im Rausch mit Freunden" wartete mit Titeln wie "Erektion am Mittagstisch" oder "Der Stockfisch tanzt auf". Humor wird bei Euch groß geschrieben?
Der Humor spielt eine ganz wichtige Rolle in unserer Musik. Bei unseren Live Auftritten inszenieren wir eine Art Komödie. Nur leider kann der Kompressor das Lachen der Gäste nicht hören, da er unter einem starken Tinnitus leidet.  Aber die Mimik sagt zum Glück alles. Zudem wird das künstliche Klatschen durch peitschende Maximalbeats ersetzt. Es macht uns aber einfach soviel Spass die Leute zu entertainen und unsere Kreativität auszuleben, da bleibt wenig Platz für negatives Gedankengut.

Humor und die Berliner Elektronik-Szene. Geht das?
Unsere Szene hat extrem viel Humor, sonst würden wir uns auch nicht so wohl fühlen. Aber natürlich gibt es auch in jeder Szene Menschen, die einen sehr engen Horizont haben und ihr Leben zu Ernst nehmen.

Wie steht es um die hiesige Feierkultur? Braucht ihr länger als anderswo um die Leute aus der Reserve zu locken?
Nein, gerade hier geht es in der Electro und New Rave Szene extrem nach vorne. Die Gäste müssen sich auf einen wilden Feiermarsch einstellen, nicht umsonst hat sich bei einem unserer letzten Konzerte in Friedrichshain eine junge Dame vor der Bühne ein Bein gebrochen. Schweiß tropft von der Decke und Sekt spritzt aus allen Poren. Bei uns “GEHT NOCH MEHR”. Es müssen jedes mal unzählige kleine und große Partynarben verarztet werden.

Wie würdet ihr einem Außenstehenden eure Musik beschreiben?
Um es klar und deutlich auf den Punkt zu bringen, wir sind das Gegenteil von minimalistischer Musik. Wir lieben es tiefe und verzerrte Bässe mit harten Beats zu verbinden und verlieben uns gern in untypische Klänge fernab von den Stino 4-Chord-Songs. Oben drauf gibt es Lyrics, zu denen es sich maximal auf der Basswelle reiten lässt. Und wir passieren vor allem Live – da geht es gern mal zu wie auf nem Punkkonzert – Pogen, Stage-Diving, Schweiß von der Decke. Die Emotion ist extremer als bei anderen, ohne aggressiv zu sein.

Foto ©: Oliver Rath