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Game of Thrones: Arya Darstellerin Maisie Williams im Interview

in Interviews/Kino

Mit ihrer ersten Rolle als kleine Arya wurde sie in der TV-Serie 'Game of Thrones' bekannt. Mittlerweile ist der kleine Mädchen Status passé. Maisie Williams alias Arya hat es faustdick hinter den Ohren und ist als junge Frau, trotz Blindheit, nicht zu unterschätzen. Wir trafen wir die 19-jährige, um mit ihr über ihre 'Game of Thrones' Rolle, Vorbilder und die Einstellung ihrer Generation zu digitalen Medien zu sprechen.

Was glaubst Du, wird mit Arya am Ende von Game of Thrones passieren?

Ich glaube auf dem eisernen Thron zu sitzen, ist nicht ihr Ziel wofür sie die ganze Zeit kämpft. Für mich persönlich wäre es das perfekte Ende für Arya, wenn sie erst ihre Rache hat und danach glücklich sein kann. Das geht für sie doch Hand in Hand. Vor ein paar Staffeln hat Arya allerdings noch nicht so sehr nach etwas gestrebt, wie jetzt. Aber da sie so viel verloren hat, ist Rache natürlich ganz oben auf ihrer Prioritätenliste. Und sobald sie in der Hinsicht zufrieden gestellt ist, kann sie endlich in Frieden leben. Hoffentlich!

Ein Teil von Game of Thrones zu sein, was bedeutet das für dich als junge Schauspielerin?

Wenn ich gerade am Drehen bin, bin ich selbst ein großer Teil der 'Game of Thrones' Welt. Aber dann schaue ich mir die fertige Serie an und merke, da ist noch eine ganz andere Welt, von der ich kein Teil bin. Ich fühle mich dann auch als Fan und genieße es wirklich, mich darin zu verlieren. Es wechselt allerdings immer, welche der einzelnen Geschichten und Charaktere ich gerade besonders spannend finde. Das ändert sich ständig, einmal nimmt die eine Geschichte an Fahrt auf und dann wird es wieder langsamer, aber im Moment liebe ich Sansas Geschichte. Ich glaube, ihr Weg in der nächsten Staffel wird wirklich interessant. Ohne zu viel zu verraten, insgesamt wird es eine großartige Staffel für Sansa werden.

Am Anfang waren noch alle Schauspieler beisammen, aber jetzt erzählt ihr alle eure eigenen Geschichten, allein durch die räumliche Trennung. War die Umstellung schwer?

Am Anfang, als wir noch alle zusammen waren, war es echt schön. Ich hatte immer Sophie und Isaac, die Sansa und Bran spielen, an meiner Seite. Für uns war das alles ganz neu und keiner von uns wusste so richtig, wie alles funktionierte. So fühlte sich dann auch alles für mich etwas entspannter an, weil wir die Dinge zusammen gelernt haben. Wenn die beiden nicht da gewesen wären, hätte ich mich sicher total verloren gefühlt. So konnten wir uns gegenseitig unterstützen. Zur Zeit sehe ich die anderen Darsteller vom Anfang kaum. Manchmal kommt der eine in der Geschichte des anderen vor, aber meistens sehen wir uns nur, bei Presseveranstaltungen. Was solche Events dann natürlich viel netter macht, weil wir uns lange nicht mehr gesehen haben und uns dann über so viel austauschen können.

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© Vittorio Zunino Celotto; Getty Images

Sophie Turners Charakter Sansa ist ganz anders als Arya. Was glaubst du, welchem Typ Mädchen du selbst ähnlicher bist?

Ich glaube, eher Arya. Aber hat nicht jeder ein bisschen etwas von beiden? Ich liebe es, schöne Kleider zu tragen und auszugehen, aber ich liebe es auch auf Bäume zu klettern und mit meinen Brüdern zu kämpfen. Das ist doch das Schöne – in einer Welt, die sich ständig verändert, ist es völlig in Ordnung, einfach so zu sein, wie man will. Es macht überhaupt keinen Unterschied, ob man ein Mann oder eine Frau ist, alles ist erlaubt. Man kann machen, wozu man Lust hat.

Hast du Angst davor in Zukunft für immer mit deiner 'Game of Thrones' Rolle in Verbindung gebracht zu werden?

Ich hab diese wunderbare Möglichkeit bekommen, eine Rolle über so einen langen Zeitraum zu spielen. Aber sie entwickelt und verändert sich. Sie bleibt nicht gleich, also wird es für mich nie langweilig. Weil ich sie aber über so einen langen Zeitraum spiele, versuche ich auch immer verschiedene Projekte nebenbei zu haben. Wenn ich zu Vorsprechen für andere Rollen gehe, dann erinnere ich mich immer daran, dass ich trotzdem 'Game of Thrones' habe und noch eine Menge Arbeit in der Rolle steckt. Deswegen versuche ich auch, neue Rollen auszuwählen, die eben anders sind, damit ich nicht am Ende in eine einzige Kategorie falle. Aber im Moment bin ich 19, da gibt es noch so viele Dinge, die ich machen möchte und ich hab ja auch noch eine Menge Zeit dafür. Ich hoffe nur, dass ich eine lange Karriere als Schauspielerin haben werde und viele Sachen machen kann, für die ich brenne. Gar nicht nur Schauspiel, ich liebe es auch zu tanzen. Das hab ich schon immer gerne gemacht, seit ich klein bin. Und hab das auch immer gerne gezeigt, war sogar vielleicht für andere zuweilen etwas nervig war (lacht).

Was denkst du über Arya`s Rolle als Vorbild für viele junge Mädchen auf der ganzen Welt?

Ich habe das Gefühl, als Schauspieler oder Schauspielerin wird man automatisch früher oder später zu einem Vorbild, egal, ob man will oder nicht. Aber es ist eine bestimmte Verantwortung, die der Beruf und das Leben in der Öffentlichkeit mit sich bringen. Meiner Meinung nach gibt es zwei Arten, damit umzugehen: Einmal gibt es Schauspieler, die weiterhin sie selbst sind und sehr achtsam gegenüber den Menschen sind, die zu ihnen aufblicken. Und dann gibt es solche, die trotzdem einfach nur machen, was sie wollen. Beides ist meiner Meinung nach total verständlich, denn schließlich lebt man sein Leben trotzdem für sich selbst. Ich achte dennoch sehr darauf, wie ich mich äußere oder welche Kleidung ich trage, da dies einen Einfluss auf andere Mädchen haben kann. Arya war die erste große Rolle, die ich gespielt habe. Mit ihr werde ich auch älter und sie ist eine wunderbare Figur. Ich freue mich sehr, ein Teil davon zu sein, da sie ein echt tolles Vorbild ist. Sie spricht gegen alle Geschlechter-Stereotypen, und vertritt die Aussage, dass man aus seinem Leben machen kann, was man will. Es war ja eher Zufall, dass ich die Rolle in so jungen Jahren bekommen habe, aber für mich war es der erste Vorgeschmack, wie es sich anfühlt, starke weibliche Charaktere zu spielen, die sich nicht auf eine Rolle festnageln lassen. Das will ich auf jeden Fall weitermachen.

Welche Vorbilder hast du? Gibt es Menschen zu denen du aufschaust?

In letzter Zeit bin ich total fasziniert von Jessica Chastain. Gar nicht unbedingt nur ihre wegen ihrer Schauspielerei, ihre Persönlichkeit beeindruckt mich. Vor kurzem habe ich ein Interviews mit ihr in der Graham Norton Show gesehen und es ist so spannend, zu sehen, wie Schauspieler im echten Leben sind. Nur dann kann man richtig begreifen, wie wunderbar sie doch spielen. Ihr Charakter in 'Zero Dark Thirty' war einfach unglaublich. Sie spielt so viele verschiedene Charaktere, aber jeden so glaubwürdig. Und als Mensch ist sie dann total anders, überhaupt nicht so ernst. Da habe ich verstanden, welche eine Verwandlung sie für jede ihrer Rollen auf sich nimmt.

Die meistgeschauten Videos von dir auf YouTube sind Kollaborationen mit berühmten YouTubern. Da bekommt man auch einen Eindruck wie du wirklich bist. 

YouTube und das Internet generell haben heutzutage einen riesigen Einfluss auf Teenager. Auch auf mich natürlich. YouTube ist so ein wunderbarer Ort, an dem Leute einfach kreativ sein können – ohne Plan, ohne Skript, tun sie dort einfach, was ihnen gefällt. Da bin ich gerne ein Teil von. Und genau, wenn ich ständig so viele verschiedene Charaktere spiele, ist es mir auch sehr wichtig, ab und zu der Welt zu zeigen, wer ich eigentlich wirklich bin, wer Maisie ist. Die meisten Menschen sehen mich ja nur als Arya. Ich zeige gerne, dass ich auch anders bin. Das ist der Hauptgrund, weswegen ich in der YouTube-Szene aktiv bin. Außerdem bin ich ein riesiger Fan von vielen YouTubern! Da ist es dann eine Ehre für mich eingeladen zu werden. Zum Beispiel bei den Jungs von Pentatonix, auf ihrem Kanal Superfruit. Die bringen mich immer wieder zum Lachen. Aber ich liebe auch YouTuberinnen wie Grace Helbig und Jenna Marbles, die einfach so sehr sie selbst sind und sich von nichts beeinflussen lassen. Die haben das Filmen von Videos damals angefangen, weil es ihnen so viel Spaß gemacht hat. Da hatten die keine Follower, keine Subscriber. Ich bewundere sie dafür, dass sie die ganzen Jahre durchgehalten haben und es sich jetzt endlich auszahlt.

Neben 'Game of Thrones, wie sieht es mit deinen Plänen für die Zukunft aus?

In dem Film 'The Devil and the Deep Blue Sea' mit Jessica Biel spiele ich einen Charakter mit Südstaaten Akzent. Wenn sprachliche Herausforderungen ins Spiel kommen, macht es mir besonders Spaß, da ich wirklich das Gefühl habe, eine ganz andere Person zu erschaffen. In diesem Fall ein Mädchen, das auf der Straße lebt. Sie ist Teil einer Gruppe von Mädchen, ungefähr mein Alter, die sich dafür entschieden haben, ein Leben abseits der Norm und des gesellschaftlichen Systems zu führen. Vor dem Film wusste ich nichts über den Spielort New Orleans. Da hab ich mich erstmal richtig drauf vorbereiten müssen. Eine sehr interessante Rolle. Das würde ich übrigens gerne mein ganzes Leben lang machen: unterschiedliche Personen erschaffen. Raus aus Maisie und rein in eine neue Rolle, das liebe ich. Das macht mir Spaß und ist genau mein Ding.

Maisie, vielen Dank für das Gespräch.

Die 6. Staffel Game of Thrones läuft seit dem 24. April auf dem Pay-TV Sender Sky.