Filmkritik: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

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Nach dem Triumphzug bei der Golden-Globes-Verleihung avancierte Martin McDonaghs Provinzsatire „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ vor kurzem auch bei den Screen Actors Guild Awards, der alljährlichen Auszeichnung durch den US-amerikanischen Schauspielerverband, zum großen Gewinner. Frances McDormand erhielt den Preis als beste Hauptdarstellerin. Sam Rockwell wurde als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Und noch dazu prämierte man den gesamten Cast des Films für die beste Ensembleleistung. Lorbeeren, die sich der wüste, manchmal schreiend komische, dann wieder tieftraurige Genre-Mix redlich verdient hat.

Verwittert und verlassen stehen sie am Anfang da, die titelgebenden Plakatwände am Ortseingang der Kleinstadt Ebbing in Missouri. Niemand scheint sich für sie zu interessieren, bis die wütende Mildred Hayes (McDormand) zur Tat schreitet. Da die Polizei sieben Monate nach der Vergewaltigung und Ermordung ihrer Tochter noch immer keine heiße Spur hat und, wie sie findet, nur halbherzig ermittelt, mietet die aufgewühlte Mutter die freien Werbeflächen an und lässt sie mit provozierenden Fragen und Aussagen plakatieren. An den Pranger stellt Mildred den örtlichen Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson), der an Krebs erkrankt ist. Ihr lauter, aufsehenerregender Protestschrei erhitzt in der beschaulichen Gemeinde rasch die Gemüter und bringt immer mehr Menschen gegen Mildred auf, die jedoch wild entschlossen ist, die Behörden weiter unter Druck zu setzen.

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Frances McDormand spielt die Hauptrolle in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Foto: © Fox Searchlight

Dass sie ihr Fach beherrscht wie wenige andere, bewies Frances McDormand schon einige Male, etwa in der kultigen Hinterland-Farce „Fargo“. Mit „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ liefert sie nun allerdings einen schauspielerischen Parforceritt ab, der nur schwer zu toppen ist. McDonaghs mit Western-Elementen angereicherter Cocktail aus Tragikomödie, Provinzkrimi und Drama bietet der in Chicago geborenen, angenehm natürlich wirkenden Mimin eine großartige Bühne, die McDormand optimal zu nutzen weiß. Mildreds Wut, ihre Rücksichtslosigkeit, aber auch ihre tiefsitzende Trauer über den brutalen Tod ihrer Tochter stehen der Protagonistin ins Gesicht geschrieben, in dem – anders als bei vielen Hollywood-Stars – Falten und Furchen eine eigene Geschichte erzählen. Mildred hat einiges erlebt, geht mit sich und ihrer Umwelt nicht gerade zimperlich um, will um jeden Preis Gerechtigkeit, ist jedoch viel mehr als eine hartherzige Furie.

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Sam Rockwell als kleinstädtischer Officer bekommt den Groll einer unzufriedenen Mutter (Frances McDormand) zu spüren. Foto: © Fox Searchlight

Garstig-böse Szenen mit tiefschwarzen Humoreinlagen und derben Wortgefechten – besonders stark: Mildreds Abfertigung des heuchlerischen Priesters – wechseln sich mit berührenden oder erschütternden Momenten ab. Besonders in Erinnerung bleibt der Ausraster des tumben Polizisten Jason Dixon (Rockwell), der an einer Stelle aufgebracht das Revier verlässt, ein Gebäude auf der anderen Straßenseite betritt und kurz darauf einen jungen Mann (Caleb Landry Jones) durchs Fenster auf die Straße schleudert. Vorhalten kann man McDonagh, dass er den homophoben und rassistischen Cop etwas zu sehr als Karikatur des frustrierten Bauerntrampels anlegt. Andererseits überrascht der Regisseur und Drehbuchautor gegen Ende aber auch mit einer kleinen Entwicklung, die Dixon fast schon wieder sympathisch macht. Überhaupt ist es erfreulich, dass „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ manch irre Wendung aufbietet und damit stets unberechenbar bleibt.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Länge: 116 Min.

Regie: Martin McDonagh

Darsteller:
Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, John Hawkes,
Peter Dinklage, Abbie Cornish, Caleb Landry Jones, Lucas Hedges, Amanda Warren

Kinostart: 25.01.2018

schreibt über Filme und Serien und bastelt manchmal auch an eigenen Drehbüchern herum. Außerdem steht er auf Literatur, Sprachen und Fußball.