Filmkritik: Red Sparrow | Kinostart: 01.03.2018

in Filmkritik/Kino/Neustarts

Nach ihrer gemeinsamen Arbeit an den letzten drei Filmen der „Tribute von Panem“-Reihe finden Regisseur Francis Lawrence und Namensvetterin Jennifer Lawrence erneut zusammen – dieses Mal beim Agententhriller „Red Sparrow“, der auf einem Roman des ehemaligen CIA-Beamten Jason Matthews basiert.

Am Moskauer Bolschoi-Theater gehört die ehrgeizige Ballerina Dominika Egorova (Jennifer Lawrence) zu den größten Stars, erlebt eines Tages jedoch einen tiefen Fall. Nachdem ihr Tanzpartner bei einer Aufführung auf ihr Bein gesprungen ist, muss die junge Frau ihre Karriere an den Nagel hängen und verliert damit ihr Recht auf staatliche Unterstützung. In ihrer Not lässt sie sich auf ein Angebot ihres Onkels Vanya (Matthias Schoenaerts) ein, seines Zeichens Vizedirektor des russischen Auslandsgeheimdienstes, der sie bittet, einen einflussreichen Mann zu verführen. Der Auftrag endet mit der brutalen Ermordung der Zielperson, und als Zeugin des Verbrechens wird Dominika gezwungen, sich im Rahmen des berüchtigten Sparrow-Programms zu einer Spionin ausbilden zu lassen. Im Anschluss an das knallharte Training setzt Vanya sie schließlich auf den CIA-Agenten Nate Nash (Joel Edgerton) an, dem sie den Namen eines Maulwurfs in den eigenen Reihen entlocken soll. Schon in „mother!“ musste Jennifer Lawrence an ihre darstellerischen Grenzen gehen und überzeugte mit einer kraftvollen Performance, die Darren Aronofskys kontroversen und symbolgetränkten Schocker zu einem irritierend faszinierenden Erlebnis machte. Auch die Romanverfilmung „Red Sparrow“ verlangt der mittlerweile 27-Jährigen einiges ab und unterstreicht einmal mehr, dass sie zu den charismatischsten Hollywoodstars der Gegenwart gehört. Spielend leicht scheint sie zwischen unterschiedlichsten emotionalen Facetten wechseln zu können und gibt ihrer anfangs unsicheren, zunehmend selbstbewusster auftretenden Figur ein reizvolles Profil.

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The Killer inside. Jennifer Lawrence als mordende Russin. Foto: © 20th Century Fox

Während viele Mainstream-Spionagefilme in ihrer Gewaltabbildung wenig explizit zu Werke gehen, mutet Francis Lawrence seinem Publikum einige deftige Grausamkeiten zu, die dem Geschehen jegliche glamouröse Anmutung rauben. Hier ist das geheimdienstliche Ringen ein dreckiges, blutiges Geschäft, das immer wieder übel zugerichtete Opfer fordert. Etwas fragwürdig ist in diesem Zusammenhang, dass die CIA im Vergleich mit dem barbarischen russischen Agentenapparat, der die Körper seiner Mitglieder als Eigentum des Staates ausweist, fast wie eine Wohltätigkeitsorganisation erscheint und der Film so ein recht einseitiges Bild an die Wand malt. Auch wenn der Thriller diverse packende, von treibenden Klängen begleitete Sequenzen zu bieten hat, fallen die Verwicklungen und Ränkespiele nicht immer angemessen raffiniert aus. Hier und da erlaubt sich das von Justin Haythe („A Cure for Wellness“) verfasste Drehbuch einen eher formelhaften, unmotivierten Schlenker, der die zuvor aufgebaute Spannung ein wenig torpediert. Ein Genre-Meisterwerk sollte man auch deshalb nicht erwarten. Wohl aber einen soliden Reißer mit einem höchst namhaften Cast, aus dem neben Jennifer Lawrence auch Altstar Charlotte Rampling als rigorose, geradezu furchteinflößende Ausbilderin hervorsticht.

Red Sparrow

Sparrow, Film, Jennifer Lawrence

Länge: 139 Min.

Regie: Francis Lawrence

Darsteller:
Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Matthias Schoenaerts, Charlotte Rampling,
Jeremy Irons, Ciarán Hinds, Thekla Reuten

Kinostart: 01.3.2018