Filmkritik: Operation: 12 Strong | Kinostart: 8.3.2018

in Filmkritik/Kino/Neustarts

Review

[030] Bewertung
5/10
Overrall
5.0/10

Hollywood-Filme, die sich mit dem Wirken US-amerikanischer Soldaten befassen, werden häufig von einem pathetisch-patriotischen Tonfall begleitet. Zu beobachten ist dies auch in Nicolai Fuglsigs Kriegsdrama „Operation: 12 Strong“, das eine Geheimmission kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 skizziert und ein Loblied auf den Mut der Teilnehmer anstimmt.

Um wieder mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können, lässt sich Captain Mitch Nelson (Chris Hemsworth) einen Schreibtischjob zuweisen. Als Terroristen jedoch das World Trade Center angreifen, steht für den kriegsunerfahrenen Soldaten außer Frage, dass er gerade jetzt seiner geschockten Nation dienen muss. Nelson will unbedingt an den ersten Rückschlägen der USA beteiligt sein und findet sich nur wenig später im zentralasiatischen Usbekistan wieder, wo er das Kommando über eine zwölfköpfige Elitetruppe (unter anderem Michael Shannon und Michael Peña) erhält, die in das unwegsame Gebiet des Hindukusch-Gebirges in Afghanistan vordringen und sich mit lokalen Rebellen unter der Führung General Dostums (Navid Negahban) verbünden soll. Ziel der gemeinsamen Offensive ist es, die strategisch wichtige Stadt Masar-e Scharif von Taliban- und al-Qaida-Kämpfern zu befreien.

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Chris Hemsworth mit Maschinengewehr statt Hammer. – Foto: © Warner Bros.

Dass „Operation: 12 Strong“ die Soldaten und ihre Leistung feiert, ist alles andere als überraschend. Immerhin steht hinter dem Projekt kein Geringerer als Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer, der schon des Öfteren – etwa in „Pearl Harbor“ – seinen Heimatstolz und seine Begeisterung für das US-Militär deutlich zelebrierte. Größere Zusammenhänge oder kritische Fragen zum Einsatz der Amerikaner in Afghanistan spart der auf einem Tatsachenbericht von Doug Stanton basierende Kriegsfilm weitestgehend aus und macht sich nicht die Mühe, seine Protagonisten als facettenreiche Charaktere zu zeichnen. Mut und Tatendrang sind die zentralen Eigenschaften der von Nelson angeführten Spezialkräfte, die sich auf Pferden durch ein unwirtliches Terrain bewegen. Abgesehen von General Dostum, dem das Drehbuch zumindest etwas Entfaltungsraum gewährt, werden die Einheimischen als gesichtslose Krieger ohne nennenswerte Merkmale gezeigt. Eine Vereinfachung, wie sie in Hollywood leider noch immer gang und gäbe ist.

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Michael Shannon (“Man of Steel”) gehört auch zur Truppe. – Foto: © Warner Bros.

Während man sich über die unverblümte Glorifizierung der zwölf US-Soldaten kräftig ärgern kann, besticht „Operation: 12 Strong“ auf handwerklicher Ebene. Regisseur Nicolai Fuglsig und seine Mitstreiter kreieren vor allem in den Gefechtssequenzen eine enorme Intensität. Wenn Kugeln unablässig durch die Luft zischen, Steine in die Luft geschleudert werden und krachende Explosionen den Kinosaal erschüttern, hat man manchmal das Gefühl, selbst mittendrin zu sein im atemlosen Getümmel. Dass die technisch einwandfreie Umsetzung allerdings im Dienst einer verklärenden Heldengeschichte steht, lässt sich nie gänzlich ausblenden und macht den staubig-grimmigen Kriegsstreifen zu einem höchst zwiespältigen Erlebnis.

Operation: 12 Strong

Länge: 131 Min.

Regie: Nicolai Fuglsig

Darsteller: Chris Hemsworth, Michael Shannon, Michael Peña, Navid Negahban, Trevante Rhodes, Geoff Stults, Thad Luckinbill, Austin Hébert

Kinostart: 08.03.2018