Filmkritik: Im Zweifel glücklich | Kinostart: 29.3.2018

in Filmkritik/Kino/Neustarts

Review

Filmkritik
5/10
Overrall
5.0/10

Ben Stiller scheint Gefallen an nachdenklichen Rollen gefunden zu haben. Auch in Mike Whites Tragikomödie „Im Zweifel glücklich“ ist der aus New York stammende Schauspieler als Endvierziger in der Midlife-Crisis zu sehen. Eine Figur, die es dem Zuschauer alles andere als einfach macht.

Eigentlich hat Brad Sloan (Ben Stiller) keinen Grund zum Klagen. Mit seiner Ehefrau Melanie (Jenna Fischer) und seinem Sohn Troy (Austin Abrams) wohnt er in einem Eigenheim in einem ruhigen Vorort von Sacramento. Große Alltagssorgen sind ihm fremd. Und doch hadert er zunehmend mit seinem Dasein. Vor allem dann, wenn er sein Leben mit dem seiner früheren College-Freunde Craig Fisher (Michael Sheen), Jason Hatfield (Luke Wilson), Billy Wearslter (Jemaine Clement) und Nick Pascale (der Regisseur Mike White höchstpersönlich) vergleicht. Sie alle sind unverschämt vermögend und haben es zum Teil zu erstaunlichem Ruhm gebracht. Brad dagegen fühlt sich als Gründer einer Non-Profit-Organisation mehr und mehr wie ein Versager. Als der Grübler mit seinem Teenager-Sohn nach Boston aufbricht, um potenzielle Universitäten in Augenschein zu nehmen, ringt er sich dazu durch, Craig zu kontaktieren, der dem musikalisch begabten Troy bei der Bewerbung für die Elite-Hochschule Harvard helfen könnte.

Auf dem Weg in die Midlife-Crisis: Ben Stiller. – Foto: © Weltkino Filmverleih

Einen unbequemen, schwierigen Protagonisten in den Mittelpunkt eines Films zu stellen, kann durchaus reizvoll sein. Im Falle Brads machen sich allerdings rasch Ermüdungserscheinungen breit. Schon in den ersten Szenen präsentiert sich der Endvierziger als notorischer, um nicht zu sagen neurotischer Zweifler, der sich fortlaufend mit vollkommen unbegründeten Abstiegsängsten herumplagt. Noch dazu kommt ein merkwürdiger Neid auf seine alten Uni-Freunde zum Vorschein, die – so malt es sich Brad immer wieder aus – pures Glück erleben. Seine absurden Wohlstandsträume und Zukunftsvisionen begleiten das Geschehen ebenso wie seine sich ständig im Kreis drehenden Voice-over-Kommentare, denen es in einigen Momenten spürbar an Tiefgründigkeit mangelt. So sehr man auch bemüht ist, ihn und seine Sorgen zu verstehen. So wenig lässt sich wegdiskutieren, dass der Film ständig auf der Stelle tritt, obwohl Brad durchaus Anstöße bekommt, sich und sein unaufhörliches Grübeln zu hinterfragen. Bereits zur Hälfte wäscht ihm die Studentin Ananya (Shazi Raja) den Kopf und führt ihm seine überzogen selbstmitleidige Haltung vor Augen. Ein wirkliches Umdenken findet aber erst viel später statt, wobei Regisseur und Drehbuchautor Mike White („Das Jahr des Hundes“) die Wandlung etwas plötzlich und nicht allzu filigran aufbereitet. Ben Stiller wirkt mit seinen leicht angegrauten Haaren und seinem zuweilen leeren Blick glaubhaft als Mann in der Midlife-Crisis. Und die Szenen zwischen Vater und Sohn besitzen mitunter eine emotionale Ausdruckskraft. Schön wäre es jedoch gewesen, wenn die Tragikomödie Troy noch stärker als Gegengewicht zum hochgradig anstrengenden Protagonisten aufgebaut hätte. Trotz spannender Ansätze bleibt „Im Zweifel glücklich“ so eine recht zähe Angelegenheit.

Im Zweifel glücklich

zweifel, ben stiller

Länge: 103 Min.

Regie: Mike White

Darsteller:
Ben Stiller, Austin Abrams, Jenna Fischer, Michael Sheen, Jemaine Clement, Luke Wilson, Shazi Raja, Mike White

Kinostart: 29.3.2018