Filmkritik: Heilstätten | Kinostart 22.2.18

in Filmkritik/Kino/Neustarts

Nach dem größtenteils gelungenen Doppelgänger-Thriller „Freddy/Eddy“, den Regisseurin Tini Tüllmann Anfang Februar im Selbstverleih ins Kino brachte, erreicht eine weitere abgründige Genrearbeit aus deutscher Produktion die hiesigen Leinwände. Michael David Pates „Heilstätten“ ist ein Horrorfilm, der den Found-Footage-Klassiker „The Blair Witch Project“ mit YouTube-Auswüchsen kombiniert.

Die beiden Prank-Experten Charly (Emilio Sakraya) und Finn (Timmi Trinks), die einen unter jungen Menschen äußerst beliebten Videoblog betreiben, suchen gemeinsam mit der Beauty-Spezialistin Betty (Nilam Farooq) und der ebenfalls online aktiven Emma (Lisa-Marie Koroll) eine besondere Angstherausforderung und machen sich dafür auf den Weg zu einer ehemaligen Heilanstalt vor der Toren Berlins, in der es spuken soll. Als Führer begleitet sie der Medizinstudent Theo (Tim Oliver Schultz), der den heruntergekommenen Klinikkomplex wie seine Westentasche kennt. Kurz nach ihrer Ankunft auf dem verlassenen Gelände taucht auch noch Theos Ex-Freundin Marnie (Sonja Gerhardt) auf, die bei einem früheren Besuch des Sanatoriums einen Geist gesehen haben will. Stürzen sich die mit mehreren Kameras ausgestatteten Jugendlichen anfangs recht ausgelassen in das unheimliche Abenteuer, laufen sie schon bald panisch um ihr Leben.

Heilstätten, Plakat, Kino
Das Styling der Protagonisten stimmt. Der Grusel kann kommen. – Foto: © Fox

Hält man sich vor Augen, dass seit Stefan Ruzowitzkys Mediziner-Albtraum „Anatomie“ und dessen Fortsetzung kein Horrorstoff aus deutschen Landen beim Publikum reüssieren konnte, muss man die Macher von „Heilstätten“ für ihren Mut beklatschen. Produzent Till Schmerbeck und Regisseur Michael David Pate („Kartoffelsalat“) scheinen wild entschlossen, verlorengegangenes Vertrauen wieder aufzubauen und dem deutschen Düsterkino zu einer neuen Blüte zu verhelfen. Gute Absichten allein garantieren aber noch lange keinen rundum mitreißenden Gruseltrip, wie der im Wackellook gedrehte Spukhausstreifen demonstriert. Auch wenn das Setting durchaus Unbehagen bereitet, lässt echter Nervenkitzel lange auf sich warten. Zu sehr hangelt sich die Schauermär an bestens vertrauten Genremustern entlang. Und zu wenig überraschend fallen die gelegentlich platzierten Schockeffekte aus.

Heilstätten, Plakat, Kino
Generation Youtube hat ein Tief. Der Film leider auch. – Foto: © Fox

Überzeugender gelingt Pate da schon die Zeichnung seiner Protagonisten, die den auf YouTube nicht selten ausufernden Kampf um Likes und Follower repräsentieren. Die betont lässige Sprache und das aufgekratzte, geradezu hyperaktive Verhalten der Videoblogger sind gut getroffen und werden von den Schauspielern glaubhaft vermittelt, können auf Dauer allerdings auch etwas anstrengend wirken. Die wiederholt hervorbrechende Kritik an der im Netz weit verbreiteten Geltungssucht ist absolut begrüßenswert, hätte in manchen Momenten aber nicht mit einem überdimensionalen Holzhammer vorgebracht werden müssen. Spannungstechnisch legt „Heilstätten“ nach einer bescheidenen ersten Stunde im letzten Akt noch einmal etwas zu und serviert dem Zuschauer einen kleinen bösen Twist, der das Interesse am Geschehen ein wenig ansteigen lässt. So sehr man sich auch über den markanten Schlussspurt samt blutigen Gemeinheiten freut – vergessen machen kann er die lange Zeit nur schwach ausgeprägte Gänsehautstimmung freilich nicht.

Heilstätten

Heilstätten, Plakat, Kino

Länge: 89 Min.

Regie: Michael David Pate

Darsteller:
Sonja Gerhardt, Tim Oliver Schultz, Nilam Farooq, Lisa-Marie Koroll,
Emilio Sakraya, Timmi Trinks, Davis Schulz

Kinostart: 22.2.2018