Filmkritik: Die Verlegerin | Kinostart: 22.2.18

in Filmkritik/Kino/Neustarts

Klassisches Erzählkino, wie man es sich wünscht. Mit seinem auf Tatsachen beruhenden Journalismus-Drama „Die Verlegerin“ hält Hollywood-Legende Steven Spielberg eine packende Geschichtsstunde ab, die aktueller nicht sein könnte.

Manchmal muss man eine Gelegenheit einfach beim Schopfe packen und darf nicht lange zögern. Obwohl Oscar-Preisträger Steven Spielberg („Der Soldat James Ryan“) eigentlich mit einem anderen Projekt beschäftigt war, schmiss er seine ursprünglichen Planungen über den Haufen, als er ein Drehbuch über die Enthüllung der sogenannten Pentagon-Papiere und die Rolle der Zeitungsverlegerin Katharine Graham in die Finger bekam. Binnen kurzer Zeit trommelte er diverse renommierte Darsteller und eine Crew zusammen, um von einem historischen Pressecoup zu berichten, der gerade in Zeiten eines Donald Trump nichts von seiner Brisanz verloren hat. 1971 gelingt es Reportern der New York Times, Einblick in ein streng geheimes Dokument des amerikanischen Verteidigungsministeriums zu erhalten, aus dem hervorgeht, dass vier unterschiedliche US-Regierungen die Bevölkerung über den Vietnam-Krieg bewusst getäuscht haben. Nach ersten aufsehenerregenden Veröffentlichungen untersagt ein Richter auf Betreiben von Präsident Richard Nixon der landesweit angesehenen Zeitung weitere Publikationen, was schließlich die Journalisten der Washington Post auf den Plan ruft, die just zu dieser Zeit darum kämpft, endlich das Image eines Lokalblattes loszuwerden. Chefredakteur Ben Bradlee (charismatisch: Tom Hanks) treibt seine Mannschaft unnachgiebig an, gelangt bald selbst in den Besitz der explosiven Unterlagen und will nach einer schnellen Sichtung umgehend Rechercheergebnisse abdrucken. Dafür benötigt der Vollblutzeitungsmann allerdings die Zustimmung seiner Chefin Katharine Graham (Meryl Streep), die zunächst zögert, da sie den Börsengang der Washington Post nicht gefährden und rechtliche Konsequenzen vermeiden will.

Verlegerin, Meryl Streep, Tom Hanks, Steven Spielberg
Auf der Suche nach der Wahrheit. Tom Hanks als unnachgiebiger Washington-Post-Chefredakteur Ben Bradlee. – Foto: © Universal Pictures

Spielberg, der vergangene Ereignisse schon mehrfach packend aufbereitet hat, nimmt sich hier ein Stück Zeitgeschichte vor, das unmissverständlich den Wert einer freien, unabhängigen Presse unterstreicht. Angesichts des leider immer lauter werdenden Fake-News-Gezeters, wie es beispielsweise Donald Trump regelmäßig anstimmt, muss es nicht verwundern, dass der preisgekrönte Regisseur das Drehbuch zu „Die Verlegerin“ unbedingt sofort auf die große Leinwand bringen wollte und dafür die Arbeit an der Science-Fiction-Produktion „Ready Player One“ ruhen ließ. Spannend wie ein Thriller erzählt das biografische Drama von den unermüdlichen Recherchen der Journalisten und zeichnet parallel das Porträt einer faszinierenden Frau, die damals an der Spitze der Washington Post stand, sich in ihrer Führungsrolle aber noch zurechtfinden musste.

Verlegerin, Meryl Streep, Tom Hanks, Steven Spielberg
Washington-Post-Verlegerin Katharine Graham gespielt von Meryl Streep. Der Film ist ihre erste Zusammenarbeit mit Regisseur Steven Spielberg. – Foto: Universal Pictures

Leinwandstar Meryl Streep bringt die anfängliche Unsicherheit, das Hadern Grahams eindrücklich auf den Punkt und schafft es einmal mehr, hinter ihrer Rolle zu verschwinden. Vor allem gegen Ende entwickelt der auch in den Nebenrollen stark besetzte Film einen enormen Sog, den Spielberg mit einigen denkwürdigen Bildern garniert. Etwa dann, als das Anlaufen der Druckerpresse die Schreibtische im Verlagsgebäude erzittern lässt. Auch wenn „Die Verlegerin“ vielleicht an manchen Stellen etwas dicker aufträgt als notwendig, ist die Rekonstruktion der Enthüllungen ein Paradebeispiel für geschickt verdichtetes, perfekt getaktetes und erfreulich relevantes Unterhaltungskino.

Die Verlegerin

Verlegerin, Meryl Streep, Tom Hanks, Steven Spielberg

Länge: 117 Min.

Regie: Steven Spielberg

Darsteller:
Meryl Streep, Tom Hanks, Bob Odenkirk, Bruce Greenwood, Alison Brie,
Tracy Letts, Bradley Whitford, Sarah Paulson, Michael Stuhlbarg

Kinostart: 22.2.2018