Filmkritik: Death Wish | Kinostart: 8.3.2018

in Filmkritik/Kino/Neustarts

Nachdem Donald Trump im Anschluss an den Amoklauf von Parkland mit dem Vorschlag schockierte, Lehrer bewaffnen zu wollen, bringt Eli Roth („Knock Knock“) nun einen Selbstjustizstreifen in die Kinos, der dem amerikanischen Präsidenten große Freude bereiten dürfte. „Death Wish“, eine Neuinterpretation des 1970er-Jahre-Reißers „Ein Mann sieht rot“, gibt phasenweise vor, den amerikanischen Waffenfetischismus zu hinterfragen, liefert letztlich aber billigste Rechtfertigungen für das rabiate Verhalten des von Bruce Willis verkörperten Todesengels.

Der Chirurg Dr. Paul Kersey (Willis) ist ein liberaler und besonnener Mann, der mit seiner Gattin Lucy (Elisabeth Shue) und seiner Tochter Jordan (Camila Morrone) ein schmuckes Haus in einer ruhigen Gegend von Chicago bewohnt. Dass die Metropole am Michigansee ein heißes Pflaster ist, erlebt Kersey tagein, tagaus an seinem Arbeitsplatz, wo er nicht selten Menschen behandelt, die Opfer der stetig zunehmenden Gewaltexzesse geworden sind. Als seine Liebsten eines Abends von Einbrechern überfallen und nach einem Handgemenge mit Schüssen niedergestreckt werden, bricht die Welt des sympathischen Arztes in sich zusammen. Seine Ehefrau verstirbt noch auf dem OP-Tisch, und seine Tochter, die gerade erst die Zusage für ein renommiertes College erhalten hat, landet mit schweren Verletzungen im Koma. Während Kersey den Schmerz zu verdrängen versucht, spürt er mehr und mehr Rachegedanken in sich aufsteigen, zumal die ermittelnden Beamten (Kimberly Elise und Dean Norris) keine Fortschritte erzielen. Irgendwann fällt dem desillusionierten Mediziner eine Waffe in die Hand, mit der er schließlich auf den Straßen von Chicago aufräumen und diejenigen finden will, die sein Familienglück zerstört haben.

Death Wish, Bruce Willis, Charles Bronson
Boom-Shakalaka-Boom, Bruce Willis macht in “Death Wish” den Charles “Ein Mann sieht rot” Bronson. Ob das Comeback gelingt? – Foto: © Universum Film

Für kleine, willkommene Irritationsmomente sorgt Eli Roth bei der Einführung seiner Hauptfigur. Deren zurückhaltendes, zunächst erstaunlich gefasstes Auftreten passt so gar nicht zu dem Bild, das sich der in den letzten Jahren etwas in der Versenkung verschwundene Bruce Willis auf der Leinwand erspielt hat. Gibt er sonst zumeist den lässigen, um keinen flotten Spruch verlegenen Haudegen, präsentiert er sich in „Death Wish“ eine ganze Weile als zermürbter, im Waffenumgang wenig geübter Anstandsbürger. Recht unmotiviert und schludrig leitet das Remake des noch heute umstrittenen Michael-Winner-Klassikers dann jedoch die Wandlung des Protagonisten ein. Roth und Drehbuchautor Joe Carnahan („The Grey – Unter Wölfen“) bemühen zunächst einen kleinen Zufall und lassen den Chirurgen schließlich recht schnell zu einem kaltblütigen Killer mutieren. Auch wenn sein fragwürdiges Handeln zuweilen problematisiert wird – etwa in den mehrfach eingeschobenen Radiodiskussionen –, zeigen die Macher bei Licht betrachtet wenig bis kein Interesse an einer ernsthaften Debatte über Selbstjustiz. Vielmehr drängt sich mit Fortschreiten der Handlung immer stärker der Eindruck auf, dass der wild um sich schießende Kersey lediglich das tut, was von einem aufrechten Mann in einem verkommenen Großstadtdschungel getan werden muss. Die in einer Szene aufblitzende satirische Auseinandersetzung mit der amerikanischen Begeisterung für Feuerwaffen aller Art torpediert der Thriller spätestens dann, wenn er den Arzt als einen coolen, in Zeitlupe zur Tat schreitenden Actionhelden inszeniert. Verwundern muss es angesichts dieser unreflektierten Aufmachung nicht, dass Roth außerdem vereinzelt Zeit findet, um seiner Vorliebe für Folterhorror und blutige Gemeinheiten zu frönen. Ein weiterer Aspekt, der den selten spannenden, lieblos heruntergekurbelten Selbstjustizreißer schwer verdaulich macht.

Death Wish

Länge: 109 Min.

Regie: Eli Roth

Darsteller:
Bruce Willis, Vincent D’Onofrio, Elisabeth Shue, Camila Morrone,
Dean Norris, Kimberly Elise, Beau Knapp

Kinostart: 08.03.2018