Filmkritik: Call Me by Your Name | Kinostart: 01.03.2018

in Filmkritik/Kino/Neustarts

Schon auf der Berlinale 2017 feierte das Liebesdrama „Call Me by Your Name“ seine Deutschlandpremiere und ließ entzückte Kritiker und Zuschauer zurück. Kurz vor der diesjährigen Oscar-Verleihung, bei der die Romanverfilmung in vier Kategorien nominiert ist, kommt die sensibel erzählte und stark gespielte Romanze hierzulande nun regulär in die Kinos.

Im Sommer 1983 verschlägt es die freigeistige Intellektuellenfamilie Perlman, wie so oft, in ihr Haus in Norditalien, wo sich der 17-jährige Elio (Timothée Chalamet) die Zeit mit Musik, Büchern und der gleichaltrigen Marzia (Esther Garrel) vertreibt. Sein Vater (Michael Stuhlbarg), der sich als Archäologieprofessor vor allem für antike Statuen begeistern kann, hat auch in diesem Jahr einen Studenten zu sich eingeladen, der ihm bei seiner Arbeit für einige Wochen unter die Arme greifen soll. Als der Amerikaner Oliver (Armie Hammer) seine Zelte bei den Perlmans aufschlägt, hält Elio den Neuankömmling zunächst für einen arroganten Schnösel, zeigt sich aber schon bald fasziniert vom lässigen Auftreten des gutaussehenden Doktoranden. Obwohl der Teenager der sympathischen Marzia näherkommt, fühlt er sich mehr und mehr zu Oliver hingezogen. Eine prickelnde Atmosphäre und mediterrane Leichtigkeit kreierte Regisseur Luca Guadagnino schon in seinem vorangegangenen Film, dem erotischen Thriller-Drama „A Bigger Splash“, auf größtenteils versierte Weise. Auch „Call Me by Your Name“, die Adaption des gleichnamigen Romans von André Aciman, erzeugt mit ihren hellen, sonnendurchfluteten Bildern luftig bekleideter Menschen ein ansteckendes sommerliches Dolce-Vita-Gefühl. Elio lässt sich durch den Alltag treiben und beobachtet den Hausgast zunehmend interessierter, während der 24-jährige Oliver mit seiner unverkrampften Art auch die anderen Anwesenden verzaubert.

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Armie Hammer und Timothée Chalamet legen ein feinfühlig-natürliches Zusammenspiel an den Tag. – Foto: © Sayombhu Mukdeeprom / Sony Pictures Classics

Krasse Missverständnisse und konstruierte Intrigen, wie sie in Liebesfilmen gerne und oft bemüht werden, sucht man hier vergeblich. Stattdessen konzentrieren sich Guadagnino und Drehbuchautor James Ivory („Eine Affäre in Paris“) voll und ganz auf die beiden Protagonisten und ihr zunehmend aufgewühltes Innenleben. Das behutsame Umkreisen, das Stück für Stück stärker werdende Knistern und die immer mal wieder aufblitzende Unsicherheit nehmen den Zuschauer gefangen. Nicht zuletzt, weil Timothée Chalamet und Armie Hammer ein feinfühlig-natürliches Zusammenspiel an den Tag legen, das selbst in pikanten Momenten – Stichwort: Pfirsich! – kein bisschen platt daherkommt. Besonders auffällig ist die Darstellungskunst in der letzten Einstellung, wo uns ein Gesicht entgegenblickt, auf dem sich diverse Emotionen – Freude, Schmerz und Trauer – in beeindruckender Manier abzeichnen.

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Regisseur Luca Guadagnino – Foto: © Promo

Unser Interview mit Regisseur Luca Guadagnino lest ihr hier.

Zu den Stärken der sinnlich gefilmten, häufig mit verträumter Klaviermusik untermalten Liebesgeschichte zählen auch die gelegentlich eingestreuten humorvollen Zwischentöne und die Akzente, die einige Nebenfiguren setzen dürfen. Erwähnenswert ist auf jeden Fall das sensibel geführte, wunderbar offenherzige Gespräch, das Elios Vater an einer Stelle anstößt, um seinem Sohn neuen Mut zu spenden. Eine kluge und bezaubernd eindringliche Szene, die man auch lange nach dem Kinobesuch noch mit sich herumträgt.

Call Me by Your Name

Länge: 132 Min.

Regie: Luca Guadagnino

Darsteller:
Timothée Chalamet, Armie Hammer, Michael Stuhlbarg, Amira Casar,
Esther Garrel, Victoire Du Bois, Vanda Capriolo

Kinostart: 01.3.2018