European Month of Photography 2016 – C/O Berlin

in Kultur/Stadtleben

Vom 1. bis 31. Oktober dreht sich beim European Month of Photography (EMOP) wieder alles um die Kamera.


Der Oktober steht im Zeichen der Fotografie: Beim EMOP präsentieren Kulturinstitutionen, Galerien, Projekträume, Botschaften und Fotoschulen aus der ganzen Stadt vier Wochen lang ihre Fotowerke. 130 Ausstellungen sind es dieses Jahr, die zum Entdecken von historischen wie zeitgenössischen Arbeiten laden. Das umfangreiche Rahmenprogramm bietet Panels, in denen über aktuelle technische Möglichkeiten diskutiert wird, sowie allerlei Workshops zum kreativen Austoben. Außerdem interessant: Die dazugehörigen Book Days, in deren Rahmen rund 30 internationale Verlage ihre neuen Fotobände vorstellen. Und wohin jetzt am besten? Wir legen die drei Ausstellungen der C/O Berlin ans Herz. 

C/O Berlin: Die EMOP-Ausstellungen

I Am You – Gordon Parks: Retrospektive

I Am You
I Am You

Gordon Parks war nicht nur begnadeter Filmregisseur, Fotograf, Schauspieler, Schriftsteller und Komponist, nein – mit seinem stetigen Kampf für die Gleichberechtigung der afroamerikanischen US-Bevölkerung gehört er ebenso sehr zu den großen Chronisten. Als erster schwarzer Filmregisseur, schuf er mit dem Detektiv John Shaft (1971: Shaft, 1972: Shaft – Liebesgrüße aus Pistolen) den ersten afroamerikanischen Kinohelden. Doch damit nicht genug: Seine Kamera sah er als Instrument gegen die Unterdrückung und hielt damit die Schattenseiten des „American Way of Life" fest. Im Rahmen des EMOP zeigt die C/O Berlin nun die erste große Retrospektive rund um seine Fotografien in Deutschland. 

Don‘t Start With The Good Old Things But The Bad New Ones – Broomberg & Chanarin

War Primer 2
War Primer 2

Reflexion durch Verstörung: Der Johannesburger Adam Broomberg und der Londoner Oliver Chanarin arbeiten beide von der englischen Hauptstadt aus. Anknüpfungspunkte zu Deutschland gibt es dennoch: Beide sind Professoren für Fotografie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Zusammen gewannen sie 2013 den Deutsche Börse Photography Prize für ihr Buch „War Primer 2“ – ein Update von Bertolt Brechts „Kriegsfiebel“ (1955) – das sich mit der medialen Dokumentation von Krieg, Terror, Mord und Genozid auseinandersetzt. Mit „Don‘t Start With The Good Old Things But The Bad New Ones“ führen sie ihre Arbeit fort: Textstellen aus Bertolt Brechts Kriegsfibel und King James Bibel wurden zweckentfremdet und Bildern von Brutalität oder Zärtlichkeit gegenübergestellt. Ihr Ziel: Den Betrachter zu einer kritischen Betrachtungsweise zwingen.

Praesens II Präsenz – Maja Wirkus

Praesens II Präsenz
Praesens II Präsenz

Fotografie erforscht Architektur und andersherum: Maja Wirkus nimmt mit ihrer Arbeit beides unter die Lupe. Dafür verwandelt sie Fotos von Architektur zu dreidimensionalen Objekten, stellt verschiedene Materialien gegenüber, spielt mit Größen und Verzerrungen und zerschneidet. Am Ende fotografiert sie alles und abstrahiert weiter, bis das ursprüngliche Bild nicht mehr wiederzuerkennen ist. Das Ergebnis bricht nicht nur mit unseren alltäglichen Wahrnehmungsprozessen, sondern verdeutlicht gleichermaßen den stetigen Wandel von Architektur.

European Month of Photography
1. – 31.10 2016 – diverse locations
Das komplette Programm

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.