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Moses Schneider: »Es ist nicht alles Happy-Happy-Ding-Dong!«

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Tocotronic, Beatsteaks und jetzt auch Tom Schilling – sie alle bauen auf das Hansa Studio und Moses Schneider. Der ist nicht nur der deutsche Steve Albini, sondern auch ein Experte, wenn es um das legendäre Kreuzberger Studio geht. Ein launiges Gespräch über Teekocher-Anfänge,  singende Schauspieler und das 5-Tage-Studio-Prinzip.


Moses, Du hast eine besondere Beziehung zum Hansa Studio. Was waren Deine ersten Erfahrungen dort?

Hat mein Leben verändert! Großes Tonstudio und sogar Bezahlung als Assistent. Ich habe mal ein Jahr dort gelebt. Quasi 24-Stunden-Assistent. Anfangs hab ich immer Tee gekocht.

Vom Tee-Kocher zum Star-Produzent. So Läuft das.

Letztendlich muss man nur anderen bei der Arbeit zusehen. Das Studio war von den Engländern gut besucht. Von denen konnte ich lernen. Du hast mit der Zeit Deine eigene Produktionstechnik entwickelt. Kein Clicking, alles live.

Wie passt das Studio dazu?

Das ist dafür besonders gut, weil es groß ist und viele verschieden klingende Räume hat. Eines der wenigen, in denen alles intakt ist. Normalerweise fragt man: Wie viel Prozent sind wo kaputt?

Zuletzt hast Du dort mit Tom Schilling gearbeitet. Was hat Dich an der Zusammenarbeit gereizt?

Wir haben über Musik gequatscht und festgestellt, dass wir ähnliche hören. Das war gut, denn dieser Jazz-Name ist ja schrecklich. Jazz verstehe ich nicht. Dann fiel das Wort Nick Cave. Und Tom Waits war wichtig.

Inwiefern?

Es gab die Tom Waits-Spritze für den Sound: Kontrabass konsequent durchziehen, Drums klein und verzerrt. Eingesungen hat er alles live. Bei Herrn Schilling ist das ja so 'ne Sache.

Ach ja? Warum?

Er ist Schauspieler. (lacht) Er hat gelernt, dass Worte ihre Zeit brauchen und ist so »Scheißegal, was die Mucke unten drunter macht, ich erzähle meine Geschichte!« Typisch. Es gibt also tatsächlich ein festes Schauspieler-Schema. Klar! Es ist, wie es ist. Als Schauspieler bist du eine andere Person und als Musiker bist du du selbst. Die sind ausgebrannt, weil sie immer nur andere spielen. Daher der Wunsch, Musik zu machen.

Tom scheint eher der Ego-befreite Typ zu sein. Welche psychologischen Arbeiten musst Du sonst im Studio leisten?

Ich muss tief in die Trickkiste greifen. Die haben alle ihre Egos und Leichen im Keller. Aus diesen Energien muss man Synergien schaffen. Es ist nicht alles Happy-Happy-Ding-Dong. Meistens ist man nach fünf Tagen durch. Psychisch. Physisch.

Klingt semi-beneidenswert.

Naja, man muss eben eine Menge motivieren. Das ist wie bei einem Witz: Den erzählt man einmal, aber dann ist er erzählt. Es ist immer ein geiler Trip für alle. Aber eben fünf Tage lang.

Foto: © Alexander Indra

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.