Anna Haifisch, Comic, The Artist, Der Schnabelprinz, Interview, Kunst, Zeichnung, Illustratorin, Vice

Anna Haifisch: Die Leiden des Künstlers

in Kultur/Stadtleben

Künstler haben's nicht leicht: emotionale Achterbahnfahrten, Demütigungen, Schaffenskrisen. Zumindest geht es dem vogelartigen Zeitgenossen in Anna Haifischs „The Artist“ so. Mit dem zweiten Band ihrer tragisch-komischen Siebdruckmotive seziert sie erneut die Ängste und Peinlichkeiten im Kreativbetrieb. Ein Gespräch über das Dasein des Künstlers. Ach ja, und etwas Kleines gezeichnet hat uns Anna auch noch…


Anna, in „The Artist“ erzählst Du aus dem turbulenten Künstlerleben eines dürren Schnabelwesens. Du zeichnest generell mehr Tiere statt Menschen. Warum?

Ich müsste sonst viel genauer sein – alleine bei den Gesichtszügen. Das hätte der Sache geschadet, weil mein Stil eher reduziert ist. Bei einem Tier kann ich leichter charakterisieren und die Empathie vom Leser ist auch gleich höher. Man versetzt sich ohne große Erklärungen hinein.

In der Tat kommt einem der Artist gleich sehr menschlich vor: Er versinkt in Selbstzweifeln und steigt im nächsten Moment zu Größenwahn auf.

Stimmt, er ist mehr als ambivalent – wie wir alle. Steckt er wieder im Größenwahn, ist dieser schluffige Vogel überhaupt nicht in der Lage, seine Visionen auszuleben.

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Auszug aus "The Artist"

Heißt das, Künstler sind generell eher Schluffis?

Ja, schon. Meistens.

Wie viel von der Figur steckt in Dir?

Ich berufe mich auf Sachen, die ich erlebt oder gehört habe, aber ich abstrahiere das. Es soll kein Tagebuch-Comic über mich sein – eher über das Künstlerleben im Allgemeinen.

In vielen Anekdoten geht es um Herabwürdigungen, mit denen Künstler umgehen müssen. Was ist das Haarsträubenste, das du erlebt hast?

Ich will nicht jammern, aber es herrscht schon eine Missachtung und Belustigung vor. Immer dieses Skeptische und gut gemeinte Ratschläge von den Eltern. »Kind, wie kannst Du nur davon leben?« Unverschämtheit. Würde man sonst ja auch keine Berufsgruppe fragen.

Dennoch sind es gerade die tragischen Momente im Buch, in denen Du mit großflächigen, bunten Farben arbeitest.

Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Das muss gegensätzlich sein, damit am Ende nicht alle deprimiert sind.

…und der Werther-Effekt eintritt.

Ja, kann sonst übel sein, wenn man das jede Woche liest. Vor allem soll das Ganze belustigen. Und klar, ein wenig mehr Empathie mit dem Künstler wäre schön.

»The Artist: Der Schnabelprinz« erschien am 1.4. bei Reprodukt.

Annas Haifisch – exklusiv für [030}:

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Zur Person:

Anna Haifisch ist Illustratorin aus Leipzig, heißt echt Haifisch und veröffentlicht ihre Comics wöchentlich auf der amerikanischen Vice-Seite. 2016 erschien die erste Staffel ihrer „Artist“-Geschichten, für die sie nun mit dem Los Angeles Times Book Prize nominiert ist.

 

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.