Als gebürtiger Berliner wurde der auch als Harry Axt bekannte DJ, Produzent und Labelbetreiber Daniel Steinberg Anfang der 90er in den Technostrudel der Stadt gezogen. Im [030] Interview lässt Daniel Steinberg die Clubs, Partys und elektronische Musik der letzten 18 Jahre Revue passieren.

Welche  Berliner Clubs und Partys von damals sind dir besonders in Erinnerung geblieben? 
Da gibt es schon eine Menge fantastische Momente. Ganz klar bleiben mir die ersten Loveparaden in Erinnerung. Ich erinnere mich noch sehr gut an die 94er Loveparade. Der Kudamm ist damals aus allen Nähten geplatzt und die älteren Passanten, welche zur selben Zeit shoppen waren, haben ihren Augen nicht getraut. Ich bin mit Bunker, E-Werk und Walfish groß geworden und hatte damals eine wunderbare Zeit.

Was hat dich besonders geprägt?
Die frühen Berliner Technojahre! Die verruchten dunklen Clubs haben und hatten für mich schon immer etwas Magisches. Das tolle an Techno ist, dass sich die Musik immer wieder neu erfindet. Wenn man dachte, mit Minimal oder Dubstep ist das letzte Kapitel der Technogeschichte geschrieben, so wird zum Beispiel im Moment Deephouse als neu und frisch verkauft. Es bleibt spannend, wo Techno noch hingeht.

Was hat sich in den letzten 18 Jahren in der elektronischen Musik verändert?
Techno und House ist sehr gewachsen. Auch die Produktionsweise hat sich stark verändert. Wenn man früher noch ein Studio mit der nötigen Hardware brauchte, so kommt man heute mit einem Computer und der richtigen Software zum selben Ergebnis. Auch die Verbreitung der Musik durch das Internet ist sehr viel einfacher geworden. Früher musste man sich noch mit seinem Plattendealer gut stellen, um an bestimmte neue Platten zu kommen. Man war eingeschränkt in seiner Kreativität, weil neue Platten oft vergriffen waren und man sie dann nicht spielen konnte. Ein großer Vorteil und eine gute Alternative sind heute die Musikplattformen im Internet. Wenn man an die musikalischen Anfänge zurückdenkt, dann wurde früher oft auf Geschwindigkeit und Härte gesetzt. Heute hingegen sind die meisten Produktionen sehr aufgeräumt und detailverliebt. Ich bin froh über diese Entwicklung. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass den meisten Produktionen das gewisse Etwas fehlt. Viele Tracks klingen sehr ähnlich und die Experimentierfreudigkeit ist ein bisschen auf der Strecke geblieben.

Wie siehst du die Entwicklung des Berliner Nachtlebens? 
Das Partyvolk in den Berliner Clubs hat sich in den letzten Jahren schon verändert. Damals war mehr Stammpublikum in den Läden und man war mit den Clubgewohnheiten des anderen vertraut. Heute hingegen trifft man auf viele Touristen in den Clubs. Auch die Anzahl der Partys hat sich in den letzten Jahren zu einem Überangebot verdreifacht. Trotzdem finde ich es toll, dass Touristen aus aller Herren Länder zu uns kommen und sich am Berliner Nachtleben erfreuen. 

Das Interview mit Daniel Steinberg führte Stefan im Juni 2012.

Foto ©: Marie Staggat