Deep Web, eine kinetische audiovisuelle Installation von Robert Henke und Christopher Bauder, ist eines der Höhepunkte des Begleitprogramms des CTM Festivals. Die riesige Installation füllt den Raum des Kraftwerks mit einer 3D Laserstruktur aus. Eine Multi-Channel Komposition dient als Soundgewand des Lichtkunstwerkes. Wir sprachen mit dem Urheber der Deep Web Installation, Robert Henke.

Robert, kannst du Deep Web kurz vorstellen – was ist die Idee/das Konzept dahinter? 

Eine Matrix aus 175 Kugeln, die sich jeweils an einer computergesteuerten Seilwinde befinden und sehr schnell und präzise in verschiedene Höhen fahren können, werden von bis zu zwölf Lasern angestrahlt. Nebel im Raum macht die Strahlen sichtbar. Was visuell erfahrbar wird, sind durch Linien verbundene, bewegliche Punkte im Raum. Das Ganze ist sehr dynamisch, verschränkt, farblich intensiv und dreidimensional. Wir erzeugen ein sich permanent neu konfigurierendes Netz aus Objekten im Raum, verbunden durch Licht.

Inwiefern kommt die Musik bei der Installation ins Spiel?

Die klangliche Komponente ist sehr cinematisch angelegt, es geht darum dem immateriellen Licht eine deutliche physische Komponente durch tiefe Bässe hinzuzufügen und auch um generelle Strukturierung und Akzentuierung im Sinne einer Komposition. Zudem öffnet der Klang einen weiteren emotionalen Zugriff auf das Werk. Insgesamt geht es uns um eine sinnliche Erfahrung. Der Rest ist Interpretation und darf auch gerne offen sein. Der Titel legt das Thema Internet nahe, und die Assoziation von Knotenpunkten und Verbindungen im Netz sind sehr offenkundig, aber wer Neuronen darin sehen will oder jede andere Art von Verknüpfungen darf das gerne tun. 

Wie ist es technisch umgesetzt?

Technisch ist Deep Web extrem ambitioniert, vor allem was die Synchronisation der Bewegung der Kugeln mit den Lasern angeht, hierfür wurde von WhiteVoid in Verbindung mit LaserAnimation Sollinger einiges speziell entwickelt. Die Verknüpfung der visuellen Ebene mit dem mehrkanaligen Sound ist dagegen schon fast banal. Es beruht auf einem System, das ich für eine ältere Performance mit Christopher bereits entwickelt hatte.  

Du sprichst es an, deine Steckenpferde ist die Entwicklung von Softwares und Hardware, genauer von Instrumenten. Bist du für Deep Web neue Wege gegegangen?

Bei Deep Web ist mein Anteil an der technischen Seite erfreulicherweise gering. Ich fokusiere mich ganz auf den strukturellen Ablauf, also die Komposition. Für die Erstellung der Klänge greife ich natürlich auch auf eigene Instrumente zurück. Letztendlich ist auch Ableton Live zu einem wesentlichen Teil ein 'eigenes Instrument'. Aber es geht mir hier ganz klar vor allem um ein Arbeiten mit den Werkzeugen, nicht um die Entwicklung derselben. 

Mit Christopher Bauder hats du bereist die Installation – “Atom” umgesetzt. Was hat euch wieder zusammengeführt? 

Wir besuchen das gleiche Café. (lacht) Im Ernst, Christopher schätzt an der Arbeit mit mir, daß ich technisch strukturell denken kann. Ich liefere nicht 'die Musik' ab, sondern erarbeite mit ihm ein System, das Klang, Bewegung und Licht zusammen führt. Wir Beide befüllen es dann mit Inhalten. Da sind wir ein gutes Team. Ich wiederum mag seine ambitionierte Haltung zu großen Projekten. Ich weiss, er wird es hinbekommen, egal wie aufwendig es ist. Das macht großen Spass. 

Du hast schon ein Paar mal vorher mit Lasertechnik gearbeitet. Wie auch Musik ist es ein “Material” das man nicht anfassen kann. Was inspiriert dich an der Arbeit mit solch nicht greifbaren Elementen? 

Das Medium Laser ist sehr beschränkt. Man muss sehr reduziert denken, Laserstrahlen können nur mechanisch bewegt werden. Das Arbeiten ist langsam. Zudem kommen Laserstrahlen immer genau aus einer Richtung. Und weil das alles so sehr beschränkt ist, werden kleine Details sehr wichtig. Mit Video oder elektronischen Klängen ist mittlerweile einfach alles in jeder Größe und Komplexität machbar. Laser ist da sehr erfrischend in der Reduktion. 

Deeb Web Photo aus der Planung

Photo aus der Planung von Robert Henke

Auf der CTM Website wird Deeb Web als “ein Ballet aus schillerndem kinetischen Licht und Surround-Sound” beschrieben. Ist das Licht wirklich schillernd? Wenn ja, wie kann so etwas erreicht werden? 

Laserlicht ist schon sehr speziell. Extrem dünne helle Strahlen, die auch in sehr reinen Farben verfügbar sind, das kann man mit keinem anderen Medium erzeugen. Der schillernde Eindruck entsteht unter anderem durch das Auftreffen des Lichts auf Staubteilchen. Das hat eine ganz besondere Magie. 

Deep Web ist im Rahmen der CTM vom 2. bis 7. Februar im Kraftwerk Berlin zu sehen.

Am 7. Februar ab 19 Uhr gibt es eine Live Performance.