Til Schweiger lockte mit seinen leichten Komödien „Keinohrhasen“, „Kokowähh“ und Co. als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller ein Millionenpublikum ins Kino. Mit seiner berührenden Tragikomödie „Honig im Kopf“ schuf er einen der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt. Und auch als „Tatort“-Kommissar Nick Tschiller sorgte Schweiger für die Mega-Quote. Nach vier Episoden folgt nun der Sprung auf die große Leinwand, wiederum inszeniert von Regisseur Christian Alvart.

In dem Actionspektakel muss der Kommissar seine Tochter aus den Händen von Mädchenhändlern befreien, seine Mission Impossible führt ihn über Istanbul nach Moskau. Unterstützt wird er, wie üblich, von  Fahri Yardim, der die Rolle des komischen Sidekicks übernimmt. Mit Til Schweiger unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Herr Schweiger, der berühmte „Tatort“-Vorspann fehlt in Ihrem Kinofilm. Den mochten Sie schon bei Ihrem ersten Einsatz als Tschiller nicht besonders…

Schweiger: Es war nie mein Ziel, den „Tatort“-Vorspann abzuschaffen. Ich hatte damals auf eine hypothetische Frage, was man im „Tatort“ verändern könnte, spontan gesagt, dass ich den Vorspann mittlerweile etwas altbacken und überholt fände. Das wurde in den Medien zum großen Thema aufgeblasen – was es für mich allerdings überhaupt nicht darstellt.  

Der Kino-Tatort bietet reichlich Action, Stunts samt internationaler Schauplätze – begibt der LKA-Beamte Nick Tschiller sich auf die Spuren von James Bond?

Schweiger: „Tschiller: Off Duty“ ist jedenfalls kein TV-Tatort, der vorher noch kurz mal so ins Kino kommt, sondern die Absicht war es, einen spektakulärer Actionfilm made in Deutschland zu bieten, der sich international sehen lassen kann. Wenn Zuschauer den Vergleich zu Bond ziehen, nehmen wir das gern als Kompliment. Nur darf man dabei nicht vergessen, dass Regisseur Christian Alvart diesen Film für 8 Millionen Euro gedreht hat – und 007 steht ein Budget von 300 Millionen zur Verfügung.    

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Über den Dächern von Istanbul – Til Schweiger in "Tschiller Off Duty" – Foto: Warner Bros. Pictures

Wie viele blaue Flecken habe Sie sich im Einsatz geholt?

Schweiger: Die richtig fiesen Actioneinlagen übernehmen natürlich die Stunt-Männer im Team. Aber blaue Flecken habe ich mir dennoch noch und nöcher geholt – das lässt sich bei einem solchen Projekt gar nicht vermeiden.

Zum Markenzeichen des Tschiller-Tatorts gehört dessen Partner Yalcin Gümer alias Fahri Yardim, der den komischen Sidekick gibt. Bedarf es der privaten Freundschaft, dass die Buddy-Chemie funktioniert?  

Schweiger: Das ginge sicher auf ohne Freundschaft, aber wenn man sich privat sehr gut versteht, funktioniert das noch viel besser. Die besondere Qualität von Fahri liegt darin, dass er lustig und skurril sein kann und zugleich als harter Typ glaubwürdig ist. Diese Mischung können nicht viele Schauspieler bieten, darauf kann er wirklich stolz sein.  

Unsere »Tschiller: Off Duty« Filmkritik lest ihr hier.

Lassen Sie sich von Fahri willig die Show stehlen?

Schweiger: Fahri tritt sicher nicht an, um mir die Show zu stehlen. Wir spielen zwei ganz unterschiedliche Typen, die genau dadurch so gut funktionieren, weil sie sich ergänzen. Für einen guten Film müssen alle Schauspieler gut sein. Anderen Kollegen Platz zu lassen, gehört sicher nicht nur für mich zu einer Selbstverständlichkeit.  

Ist der Action-Ausflug ins Thriller-Genre eine Erholung nach einem ambitionierten Werk wie „Honig im Kopf“, bei dem man ständig aufpassen muss, den richtigen Ton zu treffen?

Schweiger: Auf den richtige Ton muss man bei jedem Film achten, auch beim Action-Genre. Allerdings sind Filme, bei denen ich nicht zugleich auch Regie führe und produziere, fast immer wie Erholung für mich. Man begibt sich in die Hände eines Regisseurs, dem man vertraut. Dann muss man nur noch fit zur Arbeit erscheinen, seinen Text beherrschen und die Rolle glaubhaft spielen.  

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Das Ziel fest im Blic – Foto: Warner Bros. Pictures

Verspürt man nicht die Verlockung, sich mit Regie-Ratschlägen einzumischen?

Schweiger: Klar hat man manchmal Ideen, die man dem Regisseur unterbreitet. Die findet er bisweilen gut, aber genauso passiert es, dass er Vorschläge ablehnt – und das muss dann akzeptieren, weil es eben nicht der eigene Film ist, sondern die Vision des Regisseurs.

Wie groß ist Ihr kreative Einfluss auf die „Tatort“-Geschichten?

Schweiger: Prinzipiell beschränkt sich mein Einfluss darauf, dass ich Christian Alvart als Regisseur haben wollte sowie Fahri Yardim und Tim Wilde als meinen Kollegen. Natürlich mache ich Vorschläge zum jeweiligen Drehbuch, aber ich bin hier nicht der Autor. Am Ende des Tages ist unser „Tatort“ immer der Film von Christian Alvart.

Wie geht mit Ihrer Zukunft als Nick Tschiller weiter?

Schweiger: Ich habe vor längerer Zeit für vier weitere „Tatort“-Folgen unterschrieben, mit welchen Geschichten und Figuren das weitergehen wird, ist allerdings noch nicht entschieden. 

Sie hatten vor einigen Wochen einen Unterhaltungsfilm zum Thema Flüchtlinge angekündigt, wie steht es um dieses Projekt?

Schweiger: Wir haben ein Drehbuch in der Entwicklung, dessen erste Fassung demnächst fertig sein wird. Erst auf dieser Basis sehen wir dann weiter, wie und ob das funktionieren wird. Man kann sich nicht hinsetzten und sagen: Jetzt machen wir einen Film über Alzheimer oder über Flüchtlinge – so einfach läuft das nicht. Ein gutes Drehbuch ist das Schwierigste, was es im Filmgeschäft gibt. Ob ein Skript gelingt, weiß man vorher nie, das kann man nur ausprobieren. Wenn das Flüchtlingsthema als Drehbuch überzeugt, dann werden wir den Film machen.   

                                                                                                         Interview: Dieter Oßwald

Alle Fälle des Hambuger Tatort Teams findet ihr hier.