Black Honey: Zwischen den Genres

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Black Honey kommen aus Brighton in England, spielen Rockmusik und auch ein bisschen Indie, Pop, Garage und Surf. Aktuell generieren sie in der britischen Musikszene Stück für Stück mehr Aufmerksamkeit. Und das, obwohl die Band bis heute noch ohne Debütalbum dasteht. 

Aktuell touren Black Honey als Vorband von Royal Blood durch Europa. Wir haben die junge Band vor ihrem Konzert in Berlin getroffen und mit ihnen über selbstbestimmten Sound, Tequila und ihr – oh Wunder – erstes Album gesprochen, welches dann womöglich doch bald erscheint.

Ihr kommt aus Brighton, das keine wirklich große Stadt ist. Ist man gezwungen selber Musik zu machen, um die Kultur zu bereichern?

Izzy: Eigentlich nicht. Brighton ist wirklich eine sehr kulturelle Stadt, ein sehr kreatives Zentrum. Es wird erwartet, dass du etwas anders bist, wenn du aus Brighton kommst. Und das ist auch gut so. Die Stadt ist ziemlich multikulturell und immer progressiv.

Was meint ihr damit, dass die Leute erwarten, dass man anders ist?

Chris: Kennt ihr in Deutschland das Wort „querky“? Das bedeutet so etwas wie exzentrisch und auch kreativ. So könnte man es ungefähr beschreiben.

Ihr seid schwer einem Genre zuzuordnen. Eigentlich alles mögliche zwischen Garage und Indie. Wo seht ihr euch selber?

Izzy: Ich denke, dass kaum eine Band gerne ihren eigenen Sound einordnen will und sich so mit anderen Künstlern vergleicht. Wir wollen einfach Sachen schreiben, weil wir Musik lieben. Wir mögen verschiedene Sachen und sehen uns in erster Linie als Rockband. Dieses Vergleichen ist einfach Quatsch, weil Leute immer nur einen Weg suchen, um dich irgendwo einzuordnen. Manchmal reicht es aus zu sagen, dass es gute Musik ist.

Chris: Jeder will dich in eine Box oder Kategorie stecken. Der beste Weg ist das herauszufordern und nicht in eine Kategorie zu passen.

Tommy: Wir möchten unkonventionell denken.

Zurzeit stehen Rap und elektronische Musik hoch im Kurs. Ist es schwer als junge Band mit Rockmusik bekannt zu werden?

Izzy: Grime ist schon sehr groß in England. Die meiste Popmusik ist einfach sehr langweilig und klingt immer gleich.

Chris: Trotzdem versuchen wir nicht auf Teufel komm raus Gewinn mit unserer Musik zu machen. Uns geht es darum die Musik zu machen, die wir mögen und zu hoffen, dass sie auch den Leuten gefällt.

Tom: Es ist auch nicht schlecht, wenn man andere Musikstile aufnimmt und in seine eigenen Ideen einfließen lässt. Dann kannst du auch ein breiteres Spektrum an Leuten ansprechen.

Haben Produzenten schon versucht euren Sound massentauglicher zu machen?

Izzy: Solche Versuche ignorieren wir. Wir mögen zum Beispiel auch viele Hip-Hop-Drums, aber wenn wir versuchen würden einen Rihanna-artigen Song zu machen wäre das wahrscheinlich das schlechteste Stück Musik, das du jemals gehört hast. Wir machen nur das, was uns auch selbst anspricht.

Chris: Die Art, mit der wir bis jetzt gearbeitet haben, ist ziemlich DIY. Daher hören wir gar nicht auf Leute, die uns sagen, wie wir die Sachen angehen sollen.

In „Madonna“ singst du „A car is my best friend, cause she gets her own way in the end“. Ist das eine persönliche Botschaft oder eine Kritik an langweiligen Pop-Songs?

Izzy: Zuerst ist es interessant, dass ich einen Gegenstand personalisiere. Zuerst als Jungen, danach als Mädchen. Das heißt, es gibt eine doppelte Perspektive. Es geht eigentlich darum, dass man weiß was man macht und welche Konsequenzen das hat. Karma sorgt immer dafür, dass sich alles ausgleicht. Ich habe immer das Gefühl, dass Karma zu den richtigen Leuten zurückkommt, daher habe ich den Song geschrieben.

Was habt ihr auf der Tour von Royal Blood gelernt?

Tom: Tequila zu trinken. Aber eigentlich hab ich mich dabei verletzt, also habe ich wohl doch nichts gelernt. Ich habe mir mein Schienbein verletzt, als ich mich im Bus an einer Stufe gestoßen habe. Ich musste sogar ins Krankenhaus.

Chris: Aber ernsthaft: Es gibt viele Dinge, die man auf Tour von dieser Band lernen kann. Du musst sie nur beobachten und kannst einige Dinge mitnehmen.

Tommy: Die beiden (Mike und Ben) sind sehr ehrlich Typen, oder?

Izzy: Auf jeden Fall. Du merkst es sofort, wenn Leute Bullshit machen, aber die beiden leben einfach für Rock’n’Roll. Sie machen jeden Tag Musik und jammen auch Backstage. Dafür haben sie extra einen Raum. Die beiden richten sich auch nicht nach irgendwelchen Erwartungen oder Trends aus, sondern ignorieren das. Sie haben ihren Sound und brauchen nichts anderes.

Chris: Sie sind außerdem unglaublich gute Musiker. Es ist inspirierend, sie beim Spielen zu beobachten.

Izzy: Wenn man sie Spielen sieht, will man selbst einfach 10 Stunden Gitarre spielen, um irgendwann so gut zu sein wie sie.

In „All My Pride“ erwähnst du den Potsdamer Platz. Was hat es damit auf sich?

Izzy: Mein Ex-Freund kommt aus Berlin. Als ich den Song geschrieben habe, hatten wir gerade Schluss gemacht, weil er wieder hierher zurückgezogen ist. Jetzt ist aber alles gut und wir sind sogar befreundet. Immer wenn ich in Berlin bin, muss ich an die ganzen Orte denken, an denen wir waren. Aber mittlerweile bin ich dann nicht mehr traurig, sondern freue mich über die gute Zeit, die ich damals hatte. Als ich den Song geschrieben habe, war ich richtig angepisst. Ich denke, das kann man auch hören.

Tommy: Außerdem ist es witzig Potsdamer Platz zu sagen.

Izzy: Ja, es ist richtig reingequetscht in den Text.

Ihr macht sehr spezielle Vinyls, zum Beispiel eine herzförmige. Warum?

Izzy: Ich mag Kunst und ich mag Platten. Wenn wir Musik machen, wollen wir auch, dass sie ansprechend präsentiert wird. Wir mögen es auch Platten zu sammeln und es ist toll eine schöne zu machen. Wir haben die Möglichkeit dazu, also warum nicht. Außerdem haben wir immer viele Ideen, die wir umsetzen wollen, wie zum Beispiel bei der Halloween-Vinyl.

Für eure Musikvideos sucht ihr euch immer sehr kinoartige Settings. Was verbindet euch mit diesen Motiven?

Izzy: Für mich ist Musik auch immer eine Art Kopfkino. Also versuchen wir unsere Musik auch immer so zu gestalten, dass es wie in einem Film anfühlt. Und das schafft man natürlich, indem man zur Musik auch noch passendes Videomaterial produziert. So kann man den Leuten zeigen, wie man sich das Gesamtkunstwerk vorstellt. Das muss auch nicht immer amerikanisch angehaucht sein, sondern kann auch in alter europäischer Architektur zu finden sein.

Es gibt nicht allzu viele Frauen, die erfolgreich Rockmusik machen. Die Branche ist sehr männerdominiert. Hast du schon Männer erlebt, die versucht haben dich auf dein Äußeres zu reduzieren?

Izzy: Ich denke, dass die meisten Frauen schon als Objekte betrachtet wurden. Aber ich denke, dass Musik ein guter Ort ist, um ermutigt zu werden dagegen vorzugehen. Man kann jungen Frauen zeigen, dass man alles erreichen kann und sein eigenes Ding machen kann. Nur weil es einige abgefuckte Typen gibt, bedeutet das nicht das Ende der Welt. Du musst nicht das Opfer sein, sondern kannst rausgehen und deinen Träumen folgen. Du kannst die Dinge ändern.

Seht ihr euch als politische Band?

Izzy: Nicht wirklich. Man muss allerdings ein Idiot sein, um nicht mitzubekommen, wie schlecht die Dinge stehen. Aber wir sind nicht hier um zu predigen, sondern einfach um gute Musik zu machen. Die Leute in den Parlamenten kümmern sich um die Politik, das ist deren Job.

Chris: Für uns ist die Musik eher ein eskapistisches Ding. Wenn andere Leute das auch so fühlen, freut uns das. Wir geben den Menschen etwas Schönes, mit dem sie sich beschäftigen können.

Wann darf man sich auf  euer erstes Album freuen?

Izzy: Wohl im nächsten Sommer. Wir haben bis jetzt schon drei Songs.

Am 10.11 ist die aktuelle Single „Dig“ von Black Honey erschienen.

schreibt über Musik, besucht sehr viele Konzerte und kauft seine Platten am Merchandise-Stand. Interessen: Texte ins Internet schreiben, Bassgitarre und Kreisligafußball.