Es passiert selten, dass eine Bachelorarbeit so ins Schwarze trifft: Statt eine theoretische Abhandlung zu schreiben, haben die beiden Kommunikationsstudenten David Jacob (24) und Philipp Kühn (25) eine Webseite gecodet. Workeer ist die erste Jobbörse für Geflüchtete – und eine Erfolgsgeschichte.   

Wie die meisten guten Ideen ist auch diese ganz einfach: Workeer ist eine Jobbörse, die Geflüchtete und Arbeitgeber zusammenbringt. Bewerber können sich kostenlos registrieren und in ihrem Profil Auskunft über Alter und Herkunftsland, Sprachkenntnisse und Qualifikationen geben. Unternehmen können ihre Jobangebote einstellen und gezielt Geflüchtete ansprechen. Für beide Seiten hat das Vorteile: Die Bewerber wissen, dass bei den Unternehmen Geflüchtete auch wirklich willkommen sind und sparen sich frustrierende Versuche, die im Sand verlaufen. Und Arbeitnehmer, die sich in Sachen Integration engagieren wollen, bekommen dafür ein Werkzeug an die Hand.

»Wir wollten etwas politisch Relevantes tun«

Inzwischen sind etwa 10.500 Geflüchtete und 4.500 Firmen registriert, aktuell gibt es 2.300 Stellenangebote. Viel ist das noch nicht, die großen etablierten Jobbörsen wie StepStone haben allein für Berlin über 5.000 Stellenanzeigen gelistet. Aber es ist ein Anfang. Bisher sind es vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die sich hier eingetragen haben. Einerseits, weil sie sich gesellschaftlich engagieren wollen. Anderseits auch, weil der Fachkräftemangel es notwendig macht, neue Wege zu gehen. Wie viele Stellen bisher erfolgreich vermittelt wurden, lässt sich über die Plattform nicht verfolgen. Aber die vielen positiven Rückmeldungen der Nutzer lassen darauf schließen, dass das Konzept offenbar aufgeht. 

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Das Berliner Start-up Workeer hat eine Jobbörse für Geflüchtete entwickelt – und bekommt dabei Unterstützung aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Bild: pixabay.com © Unsplash (CC0 1.0)

Seit dem ersten Prototyp im Sommer 2015 haben die beiden Gründer ehrenamtlich an ihrer Idee weitergearbeitet. Als Abschlussarbeit ihres Studiums an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) wollten sie etwas politisch Relevantes tun, was ihnen persönlich am Herzen liegt, so die Gründer. Dass das einmal ein Fulltime-Job werden würde, haben sich beide nicht träumen lassen. Seit Anfang des Jahres arbeiten sie mit einem kleinen aber wachsenden Team an Workeer. Bisher können sie zwar erst den beiden Webentwicklern echte Gehälter zahlen (die anderen arbeiten auf 450-Euro-Basis), doch die beiden Gründer sind zuversichtlich.

Rückenwind von ganz oben

Immerhin bekommt die idealistische junge Truppe inzwischen Unterstützung von ganz oben, genauer gesagt aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Ein Jahr nach der Gründung ist Andrea Nahles (SPD) auf das Projekt aufmerksam geworden und hat die Schirmherrschaft übernommen. Das Projekt sei beispielhaft dafür, wie die wirtschaftliche Integration von Flüchtlingen glücken kann, sagte Nahles dem Fernsehsender n-tv. Für alle Initiativen, die auch die Arbeitgeberseite an Bord hätten, sei sie absolut dankbar – besonders auch wegen des Fachkräftemangels seien solche Lösungen nötig. Der Rückenwind aus dem Ministerium könnte für das junge Unternehmen zum Gamechanger werden. Durch die Schirmherrschaft von Andrea Nahles erhoffen sie sich, dass sich die Türen zu einer größeren Öffentlichkeit und zu größeren Firmen öffnen. Bisher sind es vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, die sich auf der Plattform registriert haben. Doch auch für große Unternehmen und Konzerne, die Wert auf Diversity legen, hat Workeer Potenzial. Bis Ende des Jahres will das Team 10.000 Praktikumsplätze, Ausbildungsplätze und Jobangebote auf der Plattform versammelt haben.