Für seinen Kurzfilm „Raju“ mit Wotan Wilke Möhrig bekam Regisseur Max Zähle den Student Academy Award samt Nominierung für den Kurzfilm-Oscar. Die Erfolgsserie setzt sich nun mit seinem Kinodebüt fort: Beim „Lola“-Rennen war „Schrotten“ in der Vorauswahl dabei, beim Max Ophüls-Festival gab es den Publikumspreis.

Erzählt wird die skurrile Geschichte zweier ungleicher Brüder, die langsam erkennen, dass der elterliche Betrieb nur mit vereinten Kräften zu retten ist – auch wenn dazu ein spektakulärer Eisenbahnraub nötig ist. Mit dem Regisseur unterhielt sich [030] Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Herr Zähle, bei Schrottplatz und Film denkt man an die "Ludolfs", die acht Staffeln lang im Fernsehen zu erleben waren…

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Max Zähle © Privat

Zähle: Mit den Ludolfs habe ich tatsächlich überhaupt nichts am Hut. Ich habe deren Serie im Fernsehen nie gesehen, deswegen kann ich nicht einmal sagen, ob das gut war oder schlecht. Ich weiß nur soviel, dass sie keine fahrenden Schrottsammler wie in unserem Film sind. Das ist eine ganz andere Welt – wie Stürmer und Verteidiger auf dem Fußballfeld..

Wie hat die Deutsche Bahn auf Ihr Vorhaben reagiert, ein Güterwagen voller Metallschrott zu entern?

Zähle: Die Deutsche Bahn hatte etwas Probleme mit unserem Drehbuch. Immerhin schildern wir realistisch, wie man erfolgreich einen Zug entern kann. Zudem gilt das Thema Metalldiebstahl im wahrsten Sinne des Wortes als heißes Eisen. Für die Dreharbeiten sind wir deswegen auf eine private Bahnstrecke ausgewichen. .

Im Nachspann werden eigens die Verantwortlichen für „Schweißarbeiten” oder „Gleisbau” genannt – mit solchen Spezialisten kann selbst Hollywood selten glänzen…

Zähle: Auf unsere Jungs vom Bautrupp bin ich ziemlich stolz. Die haben mitten im Wald gut 20 Meter Schienen verlegt, auf denen der LKW tatsächlich fahren konnte. Der Aufwand war enorm und nur mit den vereinten Kräften eines begeisterten Teams zu bewältigen. Aber wenn wir schon die Geschichte eines Zugraubs erzählen, dann wollten wir das so realistisch wie nur möglich machen.

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Lukas Gregorowicz wird von Frederick Lau skeptisch beäugt. © Port-au-Prince

Nach Ihrem Studenten-Oscar für "Raju" war der Medienrummel groß. Erweist sich der Hype als belastende Hypothek für das Kinodebüt?

Zähle: Ich habe den ganze Rummel damals genossen, als Hochschulabsolvent kann einem schließlich kaum etwas besseres passieren. Als Last empfand ich das eigentlich nie, ich orientiere mich nicht an Erwartungen von anderen, sondern vor allem daran, dass mir meine Arbeit selbst gefällt. Zudem erweist sich so ein Studenten-Oscar durchaus als Türöffner in Sachen Filmförderung – was bei solch einem Projekt womöglich sonst nicht ganz einfach gewesen wäre.   

Wie kommt man auf die Idee zu einem Schrottplatz-Drama?

Zähle: Die Idee ist durch die Wirklichkeit inspiriert. Als Kind habe ich ganze Sommer auf dem Schrottplatz verbracht, der dem Vater eines Freundes gehörte. Dessen Geschichte, von der Banklehre bis zur Rückkehr auf den Schrottplatz, war die Initialzündung für diese Story. Im Kern steht die Frage, weshalb kehrt jemand zurück zu seinen Ursprüngen, der anderswo bequem Karriere machen könnte?

Gibt es eine Schnittmenge zwischen Schrotthändlern und Filmemachern?

Zähle: Absolut. Dazu gehört insbesondere die Loyalität, die in beiden Berufen notwendig ist. Man braucht immer starke Leute an seiner Seite, auf die man sich verlassen kann. Als one-man-show wird man weder auf dem Regiestuhl noch auf dem Schrottplatz erfolgreich sein. 

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Sind nicht immer einer Meinung: Gregorowicz und Lau in “Schrotten“ © Port-au-Prince

"Lieber tot als Sklave" heißt die Devise des rebellischen Helden in "Schrotten!". Könnte das auch zugleich als Forderung an das deutsche Kino gelten, dessen Mittelmäßigkeit zunehmend beklagt wird? 

Zähle: So mittelmäßig finde ich das deutsche Kino überhaupt nicht. Man denke an "Victoria", der für seinen Mut international gefeiert wurde. Dass Fernsehredakteure nur weichgespülte Stoffe mögen, kann ich nach meinen eigenen Erfahrungen jedenfalls nicht bestätigen.

Einer der Helden aus "Victoria" spielt auch bei Ihnen mit und gilt als ganz großes Schauspieltalent. Was macht die Qualität von Frederick Lau aus?

Zähle: Freddie ist ein sehr authentischer Mensch und das spiegelt sich in seiner Schauspielkunst wieder. Er ist uneitel, traut sich anzuecken und zeigt keine Angst. Dieser Mut gibt die Freiheit, aus dem Bauch heraus zu spielen. Zudem verfügt er über ein unglaublich gutes Gespür für das Timing. Mit Lau würde ich sofort wieder drehen, ebenso mit seinem Film-Bruder Lucas Gregorowicz, der sein grandioses Gegenstück abliefert. .

Wie gefällt Ihnen, dass der "Schrotten!"-Humor mit Detlev Buck verglichen wird?

Zähle: Es war nie meine Absicht, dem Humor von Detlef Buck nachzueifern. Aber wenn ich mit ihm verglichen werden, finde ich das überhaupt nicht schlimm. Buck war nie mein Idol, aber er ist natürlich schon ein ziemlich cooler Typ.