Acht Tage Marzahn, Kunst, Kultur, Festival, Rauminstallation, Berlin, 030 Magazin, Feinkost

Acht Tage Marzahn: Das Klischee überwinden

in Kultur/Stadtleben

Weg von den schnieken Galerien in Mitte – das neue  Kunst- und Kulturfestival „Acht Tage Marzahn“ bringt vom 1. bis 8. Juli Kreativität an einen der vorurteilsbehaftetsten Orte Berlins.

Mitten im Herzen Marzahns, entlang der Bezirk-Promenade, verschmelzen acht Tage lang Fotografie, Malerei, Sound, Performance und Installation. Zusätzlich zur Kunst wartet ein buntes Rahmenprogramm aus Fahrradtouren und kostenlosem Open Air-Kino. Organisiert wird das Ganze von Stefan Kirste und Isabell Wiesner, die ihre prägenden Teenager-Jahre in Marzahn verbracht haben. Nun kehren sie gemeinsam mit den knapp 20 teilnehmenden Künstlerinnen an ihren alten Wohnort zurück und lassen reale Topografie auf den imaginären Raum der Erinnerungen treffen. 

Den Dialog anregen

Doch es geht um mehr als persönliche Auseinandersetzungen. Künstler, Besucher und Anwohner sollen an den vielzähligen Eventorten wie der Kiezkneipe Lucky Inn oder auf dem oberstes Parkdeck des Shopping Centers Eastgate am S-Bahnhof Marzahn für einen regen Austausch zusammenkommen. Isabell Wiesner meint: »Marzahn steht für Dichte und Freiraum, Statik und Umbruch, Klischee und Wirklichkeit. Uns interessiert, wie Orte als offene Gefüge von Bedeutungen, Erinnerungen und Geschichten konstituiert werden.« Und wer weiß, vielleicht lässt die eine oder andere Geschichte tatsächlich einen neuen Blick auf Marzahn zu.

Container und Feinkost

Zur Reflexion anregen könnte Marzahns erste temporäre Rauminstallation – direkt am Victor-Klemperer-Platz und konzipiert von der Architektengruppe Cantas, Langmaack & Weimar. Auf den ersten Blick: Überseecontainer und Seile. Na toll. Auf den zweiten offenbart sich eine geschickt die Umgebung einbeziehende Konstruktion, bei der Container die grauen Strukturen der Plattenbauten aufnehmen und von weißem Nylon, befestigt an Straßenmöbeln, Bäumen und Laternen, kontrastiert werden. Außerdem sehenswert: Lukas Julius Keijsers Performance „Feinkost“. Keijser hat bereits etliche Pop-Up-Stores eröffnet, in denen er gedrucktes Fleisch oder Bier verkauft hat. »Wegschmeißkunst« nennt er die Objekte, die man zu Schnäppchenpreisen erwerben kann. Dieses Mal im Angebot: Siebdrucke aus Recyclingmaterial – von Goldbroiler, Softeis, Rotkäppchen bis hin zu Ananas. Yummy.

Alle weiteren Infos zum Programm kriegt Ihr hier.

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Rauminstallation am Victor-Klemperer-Platz © Marcel Weimar

schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.