Indignation, Panorama, berlinale, 030 magazin

66. Berlinale: Indignation

in Berlinale 2016/Filmkritik

Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Entscheidungen. Eine Kette der Kausalitäten, die am Ende, unumgänglich, im Tod enden. Der Anfang von Indignation, gesprochen von Hauptdarsteller Logan Lerman, stimmt direkt nachdenklich. Dazu Bilder von jungen Soldaten, die im Krieg in Korea in den 50ern um ihre Leben kämpfen. Nach der Buchvorlage von Philip Roth schafft Regisseur einen Einstieg, der direkt ins Thema der Zeit reinwirft.

Der nachdenkliche Anfang spiegelt den Charakter des Protagonisten Marcus Metzner wieder. Ein unglaublich intelligenter und introvertierter Junge aus dem Haus jüdischer Eltern, der trotz seiner traditionellen Erziehung ein ganz eigenes Weltbild hat. In einer Zeit, in der Jungen in seinem Alter im Krieg sterben, sind seine Eltern froh, ihn nach Ohio ans College zu schicken. Studenten werden nicht vom Militär eingezogen.

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Logan Lerman und Sarah Gadon in Indignation – Foto © Winesburg Productions, LLC.

Zuerst konzentriert er sich voll und ganz auf das Studium und seinen Job in der Bibliothek. Wäre da nicht das wippende Bein von Olivia Hutton, der blonden Schönheit. Gespielt von Sarah Gadon ist sie nicht nur wunderschön, sondern balanciert ständig zwischen unschuldig-ruhiger und direkt-forscher Art. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Eine Frau, die viel zu eigenständig für die 50er ist. Sie selbst trägt wie Marcus Konflikte in sich und ist von ihren eigenen Geistern geplagt. Sie sind zwei Außenseiter. Der Film erzählt davon, wie zwei sonderbare Seelen zueinander finden. Wie sich die beiden gegenseitig intellektuell herausfordern und lernen, was sexuelles Erwachen bedeutet. Wer traut sich, neue Dinge wagen? Oder bleibt lieber bei alten Traditionen? Ist es sicherer, sich den Erwartungen der Umwelt anzupassen? Oder lieber alles zu riskieren, um den eigenen Idealen treu zu bleiben? Dabei ist ein Höhepunkt im Film, wenn sich Marcus ein Wortduell mit dem Dean der Universität leistet. Zwei grundverschiedene Weltanschauungen prallen aufeinander. Eine von Lerman brilliant gespielte Szene, wenn plötzlich aus dem sonst so ruhigen Studenten seine Meinungen heraussprudeln. Seine Ideale explodieren in ihm. Eine exzellente Szene, für die es sich allein lohnt den Film zu schauen. James Schamus schafft es, eine konservative Welt der 50er zu bauen, aber mit sehr vorwärtsdenkenden Charakteren, deren Gedanken und Charaktere faszinieren.

Indignation

USA 2015

Länge: 109 Min

Regie: James Schamus

DarstellerInnen:

Logan Lerman, Sarah Gadon, Tracy Letts
Linda Edmond, Danny Burstein

Panorama Special