Er gehört zu den talentiertesten Beat-Bastlern des Landes und das Hip-Hop auch instrumental funktioniert, beweist Suff Daddy immer wieder aufs Neue. Nach vier Jahren veröffentlicht der Soundästhet ein weiteres Solo-Album, welches fast komplett ohne Lyrics auskommt.

'Birdsongs' überrascht durch eine gesetztere Spielart, die sich wesentlich von seinen, bisher gradlinigen Boom Bap Produktionen unterscheidet. Ob er die 90er sozialisierten Heads für diese ruhigeren und elektronischeren Arrangements gewinnen kann, wird sich zeigen. Durchdacht und mit klugen Samples versehen ist der neue Suff-Sound allemal – qualitativ bleibt der Beat-Meister also seinen hohen Standards treu. Anlässlich seiner neuen Platte [030] Autorin Jessica Schmidt hat sich mit dem Produzenten getroffen um zu erfahren, welches für ihn die wichtigsten Platten waren, die sein Leben geprägt haben.

Deodato –  2

Als ich ein kleiner Junge war hat mein Vater diese Platte, und speziell den Song ‚Pavane For A Dead Princess‘ fast täglich auf ohrenbetäubender Lautstärke in einem andauernden Loop gehört, den er sich selber auf einer Kassette zusammengeschnitten hatte. Damals hat es mich erstmal nicht sonderlich interessiert, aber wenn ich diesen Song heute höre kommen tausend Kindheitserinnerungen in mir hoch. Es ist einfach wunderbar, wie Musik Emotionen und Bilder speichern kann.

Ice-T – Power

Ich war 9 Jahre alt, als dieses Platte veröffentlicht wurde, und als allererstes war ich von der Frau auf dem Cover fasziniert. Sie trug einen aufreizenden Bikini und hielt eine Shotgun in der rechten Hand. Wie man auf dem Schulhof munkelte, war es die Frau von Ice-T, aber ganz sicher waren wir uns da nicht. Mein älterer Bruder hörte die Platte monatelang von vorne bis hinten durch, so brannte sie sich in mein Gehirn und ich höre sie bis heute immer noch gerne. Besonders ‚I’m Your Pusher‘ war einer meiner Top-Favoriten. Verstanden habe ich freilich gar nichts.

Marvin Gaye – I Want You

Marvin Gaye hat viele tolle Alben gemacht, aber dieses hier war schon immer mein Lieblingsalbum von ihm. Es enthält ausschließlich Love Songs, und war in meiner Schulzeit ein wichtiger Bestandteil wenn es darum ging, ein Mixtapes für ein angebetetes Mädchen aufzunehmen.

Daft Punk – Homework

Dieses Album war ein absoluter Meilenstein und hat mir die Augen für so vieles geöffnet. Ich war begeistert von den verschiedenen Stilen, die Daft Punk miteinander verbanden. Ich hörte Hip Hop und House, konnte diese beiden Welten aber irgendwie nie so richtig verbinden. Durch Daft Punk rückte das alles irgendwie näher zusammen. 

2 Live Crew – As Nasty As They Wanna Be

Ich war sehr jung, als ich dieses Album rauf und runter hörte. Ich verstand kein Englisch und ich hatte keinen blassen Schimmer, worum es bei den Lyrics ging, für mich war es einfach hutgelaunte Musik. Die Bedeutung von Songs wie ‚Me So Horny‘, ‚The Dick Almighty‘ oder ‚We Want Some Pussy‘ wurde mir erst Jahre später bewusst.

Snoop Doggy Dogg – Doggystyle

Für mich die Blaupause eines jeden Westcoast Rap Albums. Snoop Dogg war damals noch ein hungriger Teenager, der rappte wie es niemand vor ihm tat. Nur ganz kurz hatte ich ihn vorher mal auf dem ‚The Chronic‘ Album von Dr Dre gehört. Aber irgendwie wusste man schon, dass aus diesem Rapper einer der ganz großen wird. G-Funk at its best.

OutKast – Southernplayalisticadillacmuzik

Ich war eigentlich nie ein riesiger OutKast Fan, aber dieses Album stellt eine Ausnahme dar. Wir waren keine Player und fuhren keinen Cadillac, sondern kleine Milchbubis die sich nach der Schule trafen um heimlich zu kiffen und Super Nintendo zu spielen. Aber wir hörten diesen Südstaaten Meilenstein immer wieder vorn vorne bis hinten durch.

Goodie Mob – Soul Food

Ein weiteres Album aus den Südstaaten. Auch wenn ich die Texte damals nicht alle verstand, so begriff ich doch, dass es hier um etwas anderes, tiefsinnigeres ging als auf den anderen Rap Alben, die ich zu der Zeit so hörte. Es ging um Soul Food für die Seele, um Rap der sich über weit mehr Gedanken machte als bloß um Frauen und Geld. Lustigerweise war einer der Bandmitglieder ein gewisser Cee Lo Green, der später mit Gnarls Barkley den Hit ‚Crazy‘ verbuchen konnte.

Red Hot Chili Peppers – Blood Sugar Sex Magik

Das war die Musik die ich hörte als ich Anfang der 90er mit meinen Jungs am Baggerloch abhing und meine ersten Erfahrungen jeglicher Art hatte. Dieses Album riecht für mich nach Lagerfeuer.

Jamiroquai – Travelling Without Moving

Ich mochte alle seiner Alben, aber dieses war immer mein persönlicher Favorit. Jamiroquai hatte einfach unglaublich viel Funk und konnte sich ziemlich gut bewegen. Dieses Album war damals ein Dauerbrenner in meinem Walkman und hat mich sicherlich geprägt.

Das Suff Daddy 'Birdsongs' ist auf Jakarta Records erschienen.