Marie Staggat steht in der Regel hinter der Kamera und fotografiert die Größen der elektronischen Musikszene. Heute drehen wir den Spieß um und nehmen sie in den Fokus. Anlass ist ihr Buchprojekt „313ONELOVE – A Love Affair å Music from Detroit“ für das sie 170 Künstler der House- und Technoszene, darunter Größen wie Carl Craig, Juan Atkins und Robert Hood, mittels der ihr eigenen Schwarz-Weiß Ästhetik porträtierte.

In diesem Zusammenhang haben wir Marie nach ihren persönlichen Lieblingsplatten aus der Motorcity befragt. Der Blick in ihre Hitliste hat eines mit ihren Bildern gemein, denn es offenbart sich, dass hier eine absolute Expertin am Werke war. Wer den Sound zu den Bildern braucht, dem sei übrigens die „313ONELOVE – A Love Affair å Music from Detroit“ Releaseparty am 31. März im Tresor mit einem detroitaffinen Line-up ans Herz gelegt.

Octave One feat. Ann Saunderson „Black Water“

Blackwater ist definitiv meine Lieblingsplatte, die mich schon seit meiner Teenagerzeit begleitet, ohne dass ich damals wirklich viel Ahnung von Techno aus Detroit gehabt habe. Es ist nicht nur die Message in den Lyrics, sondern auch die komplette Komposition die mich so fasziniert. Außerdem hat Ann Saunderson mir 2010 auf dem Movement Festival in Detroit genau diesen Track während des Inner City Konzert gewidmet. Das war wirklich ein Moment, den ich nie vergessen werde und mein Herz immer noch zum Strahlen bringt.

Dj BONE „Detroit is hard“

Die Lyrics: Detroit is what I love. Detroit is what I need. Detroit is the place I am from. Detroit is the air I breathe. Mehr braucht man dazu glaube ich gar nicht sagen. Das ist auf jeden Fall das was ich fühle, sobald ich Michigan Ground erreiche. DJ Bone ist ja nicht nur ein Ausnahmetalent, was Produktionen angeht, er beschreibt mit diesem Track auf jeden Fall auch den Stolz und die Stärke der Detroiter. Egal was historisch so abging in Motor City – die Menschen haben gekämpft und es irgendwie immer geschafft, aus Nichts etwas Großartiges zu machen.

Scan7 „No place like home“

Scan7 ist nicht nur einer meiner engsten Freunde in Detroit, mit dem ich auch jeden Sonntag in die Kirche gehe wenn ich in der Stadt bin – kann ich übrigens jedem empfehlen – da geht’s richtig ab 😉 – er ist auch wirklich ein wahnsinniger Musiker und hat mit seinen Livesets so einiges Publikum vom Hocker. No place like home ist auch eine Platte die mich stets begleitet. „Home is where your heart is“, oder wie sagt man so schön.

X-101 Sonic Destroyer

Sonic Destroyer ist glaube ich eine Scheibe, die jeder kennt, der in den Neunzigern zu Techno ausgegangen ist. Eine pure Detroit Platte, die auch auf dem Tresor Records Label erschien. Das war auch ein Grund für mich, damals nach Detroit zu gehen. Durch meine Arbeit im Tresor Club war ich einfach fasziniert von dem Sound aus Motor City und wollte unbedingt all diese coolen Typen treffen und fotografieren.

Dj Rolando „Jaguar“

Wenn ich durch Detroit fahre, ist das eine Platte, die perfekt zu meinen Gefühlen passt. Wie Schmetterlinge im Bauch. Rough, stark und echt. So wie die Detroiter und ihr Sound – einfach zeitlos und schön.

Davina „Dont you want it“

„Dont you want it“ von Davina und Mike Banks – auch ein Track der immer geht. Davina ist ja sehr bekannt durch ihre R&B Produktionen. Das ist das, was mich am Detroit Sound auch am meisten fasziniert – es kommen so viele Einflüsse zusammen – Hip Hop. R&B, Soul, Motown und fast alle Künstler sind „richtige“ Musiker, die mindestens auch ein Instrument beherrschen. Es wäre so cool, wenn die beiden in der Zukunft mal wieder was zusammen machen würden.

DIVINITI „Love will stay“

DIVINITI ist definitiv ein Ausnahmetalent, was Vocals angeht. Ich könnte ihr tagelang zuhören. „Love will stay“ ist eine der vielen Produktionen, die sie zusammen mit Pirahnahead gemacht hat. Übrigens auch ein großartiger Musiker, der sehr viel komponiert und die Strings fast wie kein Anderer beherrscht. Ich nenne Diviniti immer ganz liebevoll meine Ehefrau :D.

Scan7 feat. Aaron Carl – 4 Types of People

Aaron Carl ist 2010 leider gestorben. Er ist auf jedes Fall ein Künstler, den ich von Herzen gern getroffen und auch gern im Buch gehabt hätte. Er hat wahnsinnigen Respekt in der kompletten Detroit Scene und alle trauern auch nach 6 Jahren noch um ihn. Ein großer Verlust, aber das was er uns an Musik da gelassen hat, ist wirklich toll. „4 Types of People“ – ein wunderschöner Track in Kooperation mit Scan7.

Members of The House – „Reach out for the Love“

Wie hat Bill Beaver einmal so schön gesagt: “Members of the House was the greatest house music band that never happened.” Über die ganzen Jahre gab es glaube ich über 10 verschiedene Mitglieder, immer mit Mike Banks im Boot. Sie haben ein paar Platten veröffentlicht und eine EU Tour gehabt. Danach kam gar nichts mehr – was wirklich sehr schade ist, meiner Meinung nach. Reach out for the Love ist meine Lieblingsveröffentlichung der Band. Ich hoffe sehr, dass sie irgendwann mal wieder was zusammen machen.

Galaxy 2 Galaxy – Hi-Tech Jazz

Hach, bei dieser Platte bekomme ich immer wahnsinnig Gänsehaut. Eine der schönsten Veröffentlichungen aus dem Hause UR wie ich finde. Deshalb freue ich mich auch ganz besonders auf das Book Release Event am 31.03.2016, das von Telekom- Electronic Beats präsentiert wird. Und zwar haben wir Timeline am Start, die ja mehr als bekannt sind für ihren Hi-Tech Jazz und auch das erste Mal in Berlin spielen.

Telekom Electronic Beats presents 313ONELOVE 
Do, 31. März 2016, 20:00 – 03:00 Uhr
Tresor/Globus Berlin

Foto ©: Marie Staggat