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10 Platten: Jan Blomqvist

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Jan Blomqvist hat in Kindertagen garantiert Astrid Lindgren gelesen. Mehr wollen wir in diesem Zusammenhang nicht andeuten. Doch trotz seines schwedisch anmutenden Namens ist Jan Berliner Göre. Als Solokünstler und Bandleader sogar recht erfolgreich und nach Ansicht vieler seiner Fans Erfinder des sogenannten Konzerttechno, heißt: Verträumte Vocals treffen auf einfache Beats.

Wir dachten bis dahin zwar, es wäre Schillers Verdienst gewesen (der Musiker/nicht der Dichter), aber gut, man lernt nie aus.  Auch bei seiner Plattenauswahl hat er uns mindestens überrascht. Dies war auch der Grund, ihn in unserer ’10 Platten’-Rubrik willkommen zu heißen. Mit seiner eigenen Musik wäre dies etwas schwieriger gewesen. Da sind wir strikt.

Rolling Stones – Sympathy for the Devil

Immer wenn ich den Track höre, bin ich wieder Sieben. Das erinnert mich an Samstagmorgen auf dem Land mit meinem Vater frühstücken und dabei Rolling Stones hören und wissen, dass man das ganze Wochenende Zeit hat, schöne Sachen zu machen. Ich weiß gar nicht was wir als Kinder so die ganze Zeit alles gemacht haben, aber die Rolling Stones waren irgendwie immer da. Nicht nur bei uns zu Hause auch die Eltern der anderen Kinder im Dorf hatten die gleichen Platten im Schrank. Es lief irgendwie überall Rock’n Roll oder Bob Dylan. Das war für uns Kinder total normal. Wäre heute undenkbar.

Tocotronic – Ich möchte Irgendwas für dich sein

Ich war grade 12 und der Meinung man müsste total viel üben, nur so könne man ein guter Musiker werden. Dann bekam Tocotronic in die Hände. Die Jungs beherrschten zu Beginn, Punkrockstyle, alle ihre Instrumente gar nicht richtig und haben trotzdem die schönste Musik der Welt gemacht. Mein Weltbild über Musik hatte sich schlagartig geändert. Tocotronic war grandios extra-unperfekt. Dafür waren ihre Texte auf den ersten drei Alben um so intelligenter, das checkte ich aber erst Jahre später. Die Krönung war ein 7:34min langer gitarrenschrabbel Track, der im entscheidenden Chordwechsel nur eine einzige Textteile hervor brachte. Ich möchte irgendwas für dich sein. 7:34Min!!! Das ist wie Techno, nur mit Gitarre. Die Melodie Steigerung am Ende hat mich sehr inspiriert. War auch meine erste eigene Vinyl, die hab ich immer noch.

The Notwist – No Encores

Ich hatte großes Glück, dass ich das Album ‚Shrink’ von meinem Onkel aus München geschenkt bekam. Er kannte die Jungs aus Weilheim irgendwie. Ich war gefühlt der einzige Besitzer einer Notwist Vinyl in ganz Norddeutschland und dementsprechend stolz drauf. Ich hatte nicht viel Plan, aber diese Band machte echt intelligente Musik, das merkte man gleich beim ersten Hören, auch wenn man erst 13 war. Damit konnte ich supercool tun vor meinen Musiker Freunden, abgesehen davon war der Track wirklich Hammer. Finde ich immer noch gut. Im Nachhinein betrachtet waren The Notwist, glaube ich, die Ersten, die Gitarrenmusik mit elektronischen Beats verbunden haben. Der geniale Frickler der Band alias “Console” später “Acid Pauli” war seiner Zeit weit voraus.

Blur – Song2

Mein Ferientrack. Jeden Morgen, wenn keine Schule war, hab ich meine Anlage aufgerissen und “Song2” reingehauen. Perfekt zum Frühstück nachmittags um 4. Gute Schule für Berlin. Vorfreude!

Radiohead – Karma Police

Seitdem es diesen Track gibt, bin ich Radiohead süchtig. Zu Karma Police war ich auch das erste mal richtig verliebt, chancenlos, sie war 20 ich 15. Bad Timing. Passt irgendwie zum Titel. Ich war dem Song aber nie böse deswegen. Eher im Gegenteil. Den höre ich heute noch gerne, obwohl es sicher der Track ist, den ich in meinem Leben am öftesten gehört habe. Die Live Version vom Glastonbury Festival ist soooo gut.

Refused – New Noise

Mit dem Track war mir klar, dass Punk Rock und Hardcore vorbei war. Man konnte es nicht besser machen. New Noise von Refused war Mitte der Neunziger einfach so viele Ligen weiter vorne als alle amerikanischen Rock- und Metalproduktionen zusammen. Damit war für mich klar, dass ich elektronische Musik machen will. Einfach weil Gitarrenmusik mit dem Track für mich absolut vollendet war. Es ging nicht besser. Dachte ich. Später kamen ja dann diese fetten Retro-Rock’n’Roll-Punker. Queens Of The Stone Age, The White Stripes, The Strokes und so. Da haben die USA-Rocker nochmal ordentlich dagegengehalten. Mir war das zu dem Zeitpunkt schon total egal. Ich hatte mich mit „New Noise“ aus der Welt der Gitarren verabschiedet und war schon längst auf dem Weg zum Elektro Kram

Nathan Fake – The Sky Was Pink (James Holden RMX)

Als der Track 2004 in der Bar 25 hoch und runter gespielt wurde, wusste ich, dass meine Vision von elektronischer Musik funktionieren kann. Meine Vision war eine Kombination aus melodischen deepen Bässen und minimal Technogrooves und James Holden hatte mit seiner ‘The Sky Was Pink’-Version das perfekte Sounddesign dafür. Das hat uns damals glaub ich alle total mitgerissen. Das war irgendwie neu und hat einfach funktioniert. Ich finde den immer noch top. Sowas passiert ja in der elektonischen Musik selten, dass ein Track über zwölf Jahre als gut produziert gilt. Viele andere Sachen aus der Zeit klingen mit heutigen Ohren gehört ganz schön schäbig. Aber der Track nicht. Das Sounddesign ist immer noch einzigartig.

Trentemøller – Moan 

Trentemøller hat den Deckel drauf gemacht und mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass melancholische Melodien und Vocals nicht zu Elektro passen. Ein für mich ein total wichtiger Track auf dem Weg meinen eigenen Sound zu (er)finden. Und der Track ist auch einfach gut gemacht. Da kann man nicht meckern.

Stephan Bodzin & Mar Romboy – Phobos

Mein erster Stephan Bodzin Track. Ich war megageflashed. Bis heute eines meiner absoluten Lieblingsstücke. Natürlich sind die neueren Tracks von Bodzin alle noch viel fetter, aber ‘Phobos’ war eben zuerst da. Für mich jedenfalls. Der Clou: Man kann im Bassbereich schwierig Akkorde spielen. Aber wenn man einen Ton weglässt, funktioniert es wieder. Die große Kunst des Bass layerns. Für mich war das damals zwar nicht neu, aber mit diesem Track gingen soundtechnisch mit einem Schlag tausend Türen auf.

Christian Löffler – Eleven feat. Mona

Der letzte Track, der mich wirklich umgehauen hat. Ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre alt, aber war und ist für mich einfach ein Megaobertrack. Total schön zu sehen, dass es noch jemanden gibt, der Musik ziemlich genau so produziert, wie ich und eben doch wieder komplett anders klingt. Eine feine Produktion und ein unvergleichliches, warmes Sounddesign. Die Melodieführung ist hier eh mega plus perfekte Vocals obendrauf ohne einem das „Too much“ – Gefühl zu geben. Da kann man nur sagen: «Hut ab und Dankeschön Herr Löffler.«