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Plattenkritiken im Januar

in Musik/Rezensionen

POP/R&B
SOHN – Rennen

Christopher Taylor setzt auf Reduktion: Unter dem Pseudonym SOHN veröffentlichte der Londoner 2014 das Debüt „Tremors“. Rastlos sprintete er daraufhin über die Konzertbühnen. Ein Zustand, den er schon im Titel seines Zweitlings beschreibt. Im Kotrast dazu wollte er die Produktionen der neuen Songs weniger überfrachten. Mit Rrfolg: In R&B-lastigen Elektrodub-Songs stellt er seine Stimme in den Vordergrund. Ruhig puckern die Beats im Hintergrund. Auf dem Titelsong wird er fast ausschließlich vom Klavier begleitet. Aus der Puste gekommen klingt das Ganze trotzdem nie. Highlights wie „Conrad“ nehmen rhythmisch vielseitig durch die Gefilde R&B, Synth-Pop und Rock mit. Trotz Sim­p­li­fi­zie­rungen die bisher aufregendsten und atmosphärischsten Songs seiner Karriere.

VÖ: 13.1. – 4ad/beggars Group

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Electronic
Bonobo – Migration

Auf seinem sechstes Album hat Bonbobo die passenden Themen für seinen melancholischen Downtempo-Electronica gefunden: Reisen, Bewegung und Zugehörigkeit. Sounds aus der ganzen Welt verquicken sich dabei mit Hörnern, Harfen, Gitarren und Piano-Arrangements. Zwischen bewegendem Electronic-Dance und atmosphärischem Chill-out schöpft der Produzent, der gerade erst von Brighton nach L.A. gezogen ist, sein Talent für klangliches Storytelling aus. Percussions-, Piano- und Beat-Texturen wabern oft für mehr als eine Minute bis die Tracks mit prominenten Gästen wie  Rhye und Nick Murphy (fka Chet Faker) in ungeahnte Richtungen ausbrechen. Die richtige Platte zum aus dem Fenster Träumen. Nicht weltbewegend, aber rund.

VÖ: 13.1. / Ninja Tune

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French Touch
Vitalic – Voyager

Pascal Arbez-Nicolaz ist seit 15 Jahren im Geschäft und zählte einst zu den ganz Großen, als sein Kollege Etienne de Crécy noch regelmäßig „Champagne“ für alle forderte und „La Rock 01“ ein Clubhit war. Seine neue Klangreise hat immer noch ein Majorlabel im Rücken. Als »epischer Trip durch kosmische Weiten« wird diese mittels Promotext angepriesen. Etwas zu hoch gegriffen, aber nicht völlig übertrieben. Die zehn Stücke greifen perfekt ineinander. Mal diskoid („Waiting for the Stars“), mal druckvoll technoid („Lightspeed“), aber auch wunderschön dramatisch („Eternity“). Eine gelungene Platte, die auf das große Ganze ausgelegt ist und der nicht nach ein, zwei Hits die Puste ausgeht. Mögen wir.

VÖ: 20.01. / Caroline International

Cover (A Valider)

Electronic/Synth-Pop
Austra – Future Politics

„Future Politics“ ist eine Kampfansage. Was wäre, wenn wir die Welt transformieren? Viele einsame Stunden wühlte Katie Stelmanis in Büchern nach Antworten. Der Effekt: Mehr Umwelt-Beobachtungen statt reine Introspektive für ein Album, das den Wandel besingt. „There’s only one way, future politics“ flötet sie opernhaft wie Kate Bush in einer Dark Wave-Phase, die sie nie hatte. Trockene Beats – mal 4-to-the-floor, mal Trip-Hop-lastig – mischen sich mit House-inspirierten Synths. Sounds, wie sie Ende der 80er, Anfang der 90er aus den Clubs pumpten als der Dancefloor noch Revolution bedeutete. Damit sind Austra so nah dran an elektronischer Tanzmusik wie noch nie. Ein großes, synthetisches Ja zu Utopien.

VÖ: 20.1. / Domino Records

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schreibt über Musik und Stadtleben, kann alle Morrissey-Songs auswendig und steht auf verzerrte Gitarre. Interessen: Popkultur, Kunst, Graphic Novels und Musiktheater.

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