Als Walter White in der TV-Serie »Breaking Bad« haben wir Bryan Cranston lieben gelernt. Die Rolle des schrulligen Chemielehrers, der wegen einer Krebserkrankung zum skrupellosen, über Leichen gehenden Crystal Meth-Großdealer wird, schien dem US-Schauspieler wie auf den Leib geschrieben. In der titelgebenden Hauptrolle des Kinofilms »Trumbo« zieht Cranston alle Register seines Könnens und hätte dafür fast einen Oscar© verliehen bekommen, aber Leonardo Di Caprio war in »The Revenant – Der Rückkehrer« einfach zu stark und diesmal wirklich an der Reihe. Schrullig ist Bryan Cranston auch als Dalton Trumbo, kriminell ist er allerdings nicht, obwohl ihn seine politischen Gegenspieler ins Gefängnis steckten.  

Im Gegensatz zum fiktiven Charakter des Walter White hat Dalton Trumbo wirklich gelebt. Trumbo legt zunächst eine Bilderbuchkarriere hin und schreibt in den 40er-Jahren die Drehbücher für große Blockbuster und avanciert damit zu einem der bestbezahlten Drehbuchautoren Hollywoods. Weil er aber Mitglied der kommunistischen Party ist und sich für die Gewerkschaft der Autoren einsetzt, gerät er in den 50er-Jahren, während dem Kalten Krieg, in das Visier der Kommunistenjäger um den Senator McCarthy. Seine Gegenspieler sind im wirklichen Leben die Filmstars John Wayne und Ronald Reagan und vor allen Dingen die von Hellen Mirren gespielte intrigante Kolumnistin Hedda Hopper. Weil Trumbo als Mitglied der »Hollywood Ten« sich weigert, vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe auszusagen, landet er im Gefängnis und auf der »Schwarzen Liste«, was einem Berufsverbot gleichkommt. Unter verschiedenen Pseudonymen arbeitet er wie ein Getriebener weiter und schreibt unzählige Drehbücher. Auch das Drehbuch für »Ein Herz und eine Krone« stammt von seiner Schreibmaschine, wofür nicht er, sondern ein Alibi-Autor den Oscar® 1953 verliehen bekommt.

trumbo, 030 Magazin, kino

Aufstieg und Fall des Dalton Trumbo

Der Kinofilm des Regisseurs Jay Roach (»Meine Braut, ihr Vater und ich«) zeichnet den Aufstieg und Fall von Dalton Trumbo nach bis zu seiner Rehabilitation, nicht zuletzt bedingt durch sein großes Talent und die Unterstützung von Kirk Douglas, für den er »Spartacus« schreibt und den Regisseur Otto Preminger, der ihm das Drehbuch für den Film »Exodus“ verdankt. Am Schicksaal dieses Hollywood-Drehbuchautors, der sich trotz aller Widrigkeiten nicht unterkriegen lässt, wird auch an ein fast vergessenes düsteres Kapitel der US-Traumfabrik während der McCarthy-Zeit ab 1947 erinnert. Im Interview mit [030] sagt Bryan Cranston: »Ich fürchte, dieses Kapitel ist den meisten nicht bekannt, schon gar nicht unter der jüngeren Generation. Ich hoffe, unser Film vermag das vielleicht zu ändern. Wobei Hollywood ja lediglich die Kulisse bietet. Tatsächlich geht es im Kern darum, was passiert, wenn unsere bürgerlichen Freiheiten eingeschränkt werden. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Einzelnen, sondern zugleich sind Freunde und Angehörige betroffen.«

Das komplette Interview mit Bryan Cranston lest ihr hier!

Grooven und swingen

Das Biopic beginnt mit Bryan Cranston an der Schreibmaschine. Im Film-Off läuft Jazz und er groovt und swingt auf den Tasten mit einer Zigarette im Mundwinkel wie ein Schlagzeuger. Die Anfangssequenz steht sinnbildlich für das leidenschaftliche Arbeiten des Dalton Trumbo, den man im Laufe des Films wegen Rückenschmerzen, die das stundenlange Schreiben so mit sich bringen, auch in der Badewanne tippen sieht. Er zeigt Rückgrat, setzt sich ein für die Rechte der Autoren, wird politisch und gesellschaftlich als Verräter verschmäht und bleibt standhaft bis es im wahrsten Sinne des Wortes schmerzt. Das geht auf Kosten seiner Gesundheit und der Nerven seiner Familie, die wie er unter dieser Hexenjagt leiden. Eine weitere Schlüsselszene ist, als Dalton Trumbo mit John Wayne  bei einem Empfang aneinandergerät und dem Westernhelden mit scharfem Wortwitz Paroli bietet.  

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Fazit

»Trumbo« ist die Geschichte eines Mannes, der sich nichts gefallen lassen will und gegen sein Schicksal aufbegehrt. Vielleicht ist hier die einzige Parallele zu Bryan Cranstons Rolle als Drogenkoch Walter White, die ansonsten unterschiedlicher nicht sein könnte. Und hier kommt die schauspielerische Stärke von Bryan Cranston schließlich zum Tragen. In einer anderen Szene sieht man ihn im Morgenmantel mit einem Papagei auf der Schulter, den Trumbo im Film von Kirk Douglas geschenkt bekommen hat. Cranston wirkt dabei wie ein Pirat, schelmisch, skurril und ernsthaft zugleich. Als Walter White hatte Bryan Cranston vier Emmy Awards und einen Golden Globe© abgeräumt. Und irgendwann ist sicher auch der Oscar® fällig. Der humorvolle kalifornische Schauspieler und seine zahlreichen Fans müssen sich einfach noch ein bisschen gedulden. Dalton Trumbo bekam den Oscar für das Drehbuch »Ein Herz und eine Krone« übrigens erst 1992 und damit 16 Jahre nach seinem Tod zugestanden. Ganz so lange dürfte es mit dem Goldjungen für den 59-Jährigen Mimen aber nicht dauern, wenn er weiterhin so brilliert wie in seiner Hauptrolle des Dalton Trumbo.

Trumbo läuft ab dem 10. März in den Kinos

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