Während Warner Brothers mit „Man of Steel“ und „Batman v Superman: Dawn of Justice“ erst am Anfang einer fortlaufenden DC-Comics-Filmreihe steht, tritt das von Disney präsentierte Marvel Cinematic Universe bereits in seine dritte Phase ein. Das neue Captain-America-Abenteuer „The First Avenger: Civil War“ ist der inzwischen dreizehnte Teil eines filmischen Großprojekts, das 2008 mit „Iron Man“ begann.

Nachdem die Superheldentruppe der Avengers im Kampf gegen das KI-Wesen Ultron vor kurzem die Hauptstadt des osteuropäischen Staates Sokovia in Schutt und Asche gelegt hat, liefern sich Captain America (Chris Evans), Black Widow (Scarlett Johansson), Scarlet Witch (Elizabeth Olsen) und Falcon (Anthony Mackie) im nigerianischen Lagos eine heftige Auseinandersetzung mit einem Söldnerheer. Einmal mehr fordert ihr Einsatz trotz guten Willens viele zivile Opfer, weshalb der amerikanische Außenminister Thaddeus Ross (William Hurt) endlich Konsequenzen fordert. In Zukunft sollen die Avengers von den Vereinten Nationen kontrolliert werden und damit nicht mehr auf eigene Faust agieren können. Während Iron Man (Robert Downey Jr.) die von 117 Ländern getragene Vereinbarung unterzeichnen will, lässt sich Captain America partout nicht überzeugen. Da er nach einem verheerenden Anschlag erneut ohne offiziellen Auftrag handelt, kommt es schon bald zur Spaltung der Superheldengruppe, die der undurchsichtige Zemo (Daniel Brühl) mit vorangetrieben hat.

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Iron Man/Tony Stark (Robert Downey Jr.) hat es eilig. – Foto © Marvel 2016

Parallelen zu Zack Snyders „Batman v Superman: Dawn of Justice“ sind im dritten Captain-America-Teil nicht zu übersehen. Allerdings gelingt es den Regiebrüdern Anthony und Joe Russo, das Verhalten ihrer Figuren überzeugender auf die Leinwand zu transportieren. Immer wieder nimmt sich der Blockbuster Zeit, um die unterschiedlichen Positionen genauer zu beleuchten und entwickelt dabei eine Ambivalenz, die mit kleinen Abstrichen bis zum Ende durchgehalten wird. Anders als bei Snyder können die Protagonisten auf eine längere gemeinsame Geschichte zurückblicken, weshalb der nun stattfindende Bruch umso schmerzlicher erscheint. Als undurchsichtiger Antagonist im Hintergrund, über den im Vorfeld wenig zu erfahren war, liefert Daniel Brühl eine solide Leistung ab, selbst wenn die Motivation seiner Figur vor allem funktional ausfällt.

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Team Cap im Angriffsmodus. – Foto ©: Marvel 2016

Wie nicht anders zu erwarten, darf sich der Zuschauer auf zahlreiche spektakuläre Actionsequenzen freuen, wobei besonders die Konfrontation der Avengers am Leipziger Flughafen hervorsticht. Hier bricht nicht nur der für die Comic-Produktionen typische Witz hervor, den der Film ansonsten eher sparsam einsetzt. Einen starken Eindruck hinterlassen auch die Neuzugänge im Marvel Cinematic Universe, deren Fähigkeiten die Russo-Brüder treffend zur Geltung bringen. Kleinere Abzüge gibt es für die manchmal willkürlichen Schauplatzwechsel und die unbeholfen eingefädelte Annäherung zwischen Captain America und der ehemaligen S.H.I.E.L.D.-Agentin Sharon Carter (Emily VanCamp). Dem Unterhaltungswert tun diese Schwächen jedoch keinen großen Abbruch.

The First Avenger: Civil War

Länge: 147 Min.

Regie: Anthony und Joe Russo

Darsteller:

Chris Evans, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Sebastian Stan, Elizabeth Olsen

Anthony Mackie, Daniel Brühl, Chadwick Boseman, William Hurt, Emily VanCamp

Kinostart: 28. April 2016