[030] Filmkritik: Jackie

in Filmkritik/Kino

Es gibt wenige Figuren des öffentlichen Lebens, bei denen allein die Nennung des Vornamens ausreicht, um zu wissen, wer gemeint ist. Bei Jackie Kennedy, der Witwe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy, ist dies der Fall. Und so reicht allein der Vorname als Titel aus, um zu transportieren, dass es sich hier um ein Porträt der berühmten First Lady handelt.

Betrachtet werden in diesem Biopic jedoch lediglich die wenigen Tage zwischen der Ermordung ihres Mannes in Dallas bis zu dessen Beerdigung in Washington. In diesem kurzen Zeitraum verwandelte sich die Frau, die bis dahin in erster Linie als Präsidentengattin wahrgenommen wurde, zu einer eigenständigen Persönlichkeit, zu der Ikone Jackie. Regisseur Pablo Larraín konzentriert sich damit auf die dunkelste und schwierigste Zeit, die die mit 34 Jahren noch sehr junge First Lady zu durchleben hatte. Zuerst der Schock durch die Ermordung ihres Mannes im November 1963, der im Auto direkt neben ihr erschossen und sie selbst mit Blut bespritzt wurde. Doch für Verzweiflung und Trauer war wenig Gelegenheit, denn Jackie Kennedy war zum Handeln gezwungen. Und das tat sie. Die First Lady musste die Todesnachricht nicht nur ihren beiden im Weißen Haus verbliebenen Kindern überbringen, sie musste auch das Begräbnis ihres Mannes planen und sich dabei gegen allerlei Bedenkenträger aus der Administration und nicht zuletzt gegen Bobby Kennedy, den Bruder ihres Mannes, durchsetzen.

Jackie, Natalie Portmann, JFK, John F Kennedy
Foto ©: Tobis Film / Stephanie Branchu

Pablo Larraín bedient sich in seiner Geschichte bei zwei historischer Dokumente, in deren Mittelpunkt jeweils Jackie Kennedy steht: Eine Führung durch das Weiße Haus, die sie vor dem tragischen Tod ihres Mannes einem Fernsehsender gab. Und ein Exklusivinterview, das sie einige Monate nach der Beerdigung von JFK einem renommierten Journalisten gewährte. Captain Cooks Casino. Anhand der Gegenüberstellung dieser beiden zum Teil auch in Bildern nachgestellten Dokumente wird deutlich, welche Wandlung Jackie in dieser Zeit durchmachte: Von der nett lächelnden, etwas unsicher auftretenden First Lady zur gereiften, mit beiden Beinen im Leben stehenden Frau.

Erstklassige Leistung

Dass dieser Porträt einer der bekanntesten Frauenfiguren der jüngsten Geschichte so grandios funktioniert, ist zwei Tatsachen zu verdanken: Der erstklassigen und Oscarverdächtigen Leistung von Natalie Portman in der omnipräsenten Titelrolle. Ihr wird schauspielerisch bei der Darstellung dieser Achterbahnfahrt der Gefühle alles abverlangt, was sie mit Bravour meistert. Dazu kommt, dass der Filmemacher Pablo Larraín mit den beiden Interviews dramaturgisch die ideale Klammer findet, um die Wandlung dieser vom Schicksal gebeutelten Frauenfigur darzustellen. Diese Gegenüberstellung wird intensiviert, indem der Regisseur die lineare Erzählstruktur aufbricht und so die Entwicklung der Jackie Kennedy von der nett lächelnden Präsidentengattin zur eigenständigen Persönlichkeit noch augenfälliger macht. Ein starkes Stück Schauspielerkino, das ungeschminkte, wenngleich natürlich größtenteils fiktive Einblicke in das Leben und die Seele einer der weiblichen Ikonen unserer Zeit liefert.