[030] DVD-Tipp: High-Rise + Verlosung

in Filmkritik/Kino

Was lange währt, wird endlich gut. Knapp 40 Jahre nach Erscheinen von James Graham Ballards dystopischem Roman „High-Rise“ bringt der britische Independent-Regisseur Ben Wheatley („Sightseers“, „A Field in England“) die bislang stets ins Leere laufenden Adaptionsbemühungen endlich zu einem Abschluss. Entstanden ist ein Film, der beherzt klassische Erzählmuster sprengt und mit der Zeit in einen regelrechten Rauschzustand verfällt.

Einen kurzen Ausblick auf das losbrechende Chaos erhält der Zuschauer gleich zu Anfang, wenn der Physiologe Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) durch ein vollkommen verwüstetes Gebäude stapft und dabei proklamiert, sich endlich frei zu fühlen. Nach diesem reichlich bizarren Auftakt springt der im Jahr 1975 spielende Film drei Monate zurück und konfrontiert uns mit einem nun gestriegelten Protagonisten, der gerade in den titelgebenden Wohnkomplex westlich von London gezogen ist. Ein futuristisches Hochhaus, das seinen Bewohnern alle Annehmlichkeiten des modernen Lebens bietet und im Prinzip nur noch zum Arbeiten verlassen werden muss. Während der Arzt erste Bekanntschaft mit seinen neuen, teilweise sehr skurrilen Nachbarn macht, erkennt er schnell, dass es hinter den vermeintlich paradiesischen Mauern brodelt. Hausgenossen wie der Dokumentarfilmer Richard Wilder (ungezügelt-temperamentvoll: Luke Evans), die auf den unteren Etagen leben, fühlen sich von den privilegierten Bewohnern der oberen Ebenen ausgebeutet und zetteln in ihrer Wut schließlich einen Aufstand an.

High Rise, Kino, DCM
Geld regiert das Hochhaus. Foto ©: DCM

Streng hierarchisch gliedert sich der bedrohlich aufragende Betonklotz, den die Kamera immer wieder aus schrägen, untersichtigen Perspektiven einfängt. An der Spitze residiert mit dem Architekten Royal (Jeremy Irons) der Schöpfer des Gebäudes, dessen Ehefrau in einer Szene auf einem Schimmel über eine üppige Dachterrasse trabt. Eine Welt aus purem Luxus, in der die Bessergestellten dekadente Maskenbälle abhalten. Laing, mit dem das Publikum das bizarre Hochhausuniversum Schritt für Schritt erkundet, wohnt im Mittelteil und befindet sich damit in der Pufferzone zwischen Arm und Reich.

High Rise, Tom Hiddleston, Kino
Tom Hiddleston in HIGH-RISE. Foto ©: DCM

Losgelöst von klassischen Erzählmechanismen – eine echte Identifikationsfigur gibt es beispielsweise nicht –, entfesseln Wheatley und Drehbuchautorin Amy Jump ein Klassenkampfszenario, das von schwarzhumorigen Spitzen durchtränkt ist. Gewalt steht auf der Tagesordnung. Vandalismus, wohin man schaut. Und Party-Orgien, die komplett aus dem Ruder laufen. Die Menschen leben ihre Triebe ohne Rücksicht auf Verluste aus. Ähnlich wie die entgleisende Handlung, die manchmal etwas repetitiv und damit ermüdend wirkt, kennt auch die filmische Form irgendwann kein Halten mehr. Bilderkaskaden stürzen immer wieder auf den Zuschauer ein, während mehrfach eingesetzte Zeitlupenaufnahmen dem exzessiven Treiben einen surrealen Anstrich verpassen. Kurzum: Wer sich im Kino für Chaos und Anarchie begeistern kann, dürfte mit Wheatleys Ballard-Adaption, zumindest phasenweise, seine Freude haben.

High-Rise
Länge:
119 Min.
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Luke Evans, Sienna Miller, Elisabeth Moss, James Purefoy, Keeley Hawes

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Viel Erfolg!