[030] Filmkritik: Everybody Wants Some!!

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Nachdem vor einer Woche John Carneys charmante 80er-Jahre-Komödie „Sing Street“ angelaufen ist, steht mit „Everybody Wants Some!!“ der nächste Ausflug in eben diese Dekade an. Wie gewohnt schenkt uns der US-amerikanische Indie-Regisseur Richard Linklater plastische Figuren und eine Geschichte, die sich aus zahlreichen wahrhaftigen Alltagsmomenten zusammensetzt. Auf den Punkt gebracht bietet sein neuer Film sympathisch-unaufgeregtes Coming-of-Age-Kino mit hohem Nostalgiefaktor.

Eine texanische Hochschulstadt im Jahr 1980: Wie viele andere junge Menschen auch bricht der talentierte Baseballspieler Jake (Blake Jenner) mit großen Erwartungen in das Abenteuer „College“ auf. Kurz vor Semesterstart bezieht er ein Wohnheim, in dem er auf seine zukünftigen Teamkollegen trifft. Ein bunter Haufen aus alteingesessenen und neuen Studenten, die trotz aller Unterschiede eine große Baseball-Leidenschaft verbindet. Auch wenn Jake schon bei seiner Ankunft einige Späße über sich ergehen lassen muss, findet er ohne Probleme Anschluss und zieht schon bald mit dem wortgewandten Finnegan (Glen Powell) und dessen Kumpels um die Häuser. Dabei begegnet der junge Mann der hübschen Beverly (Zoey Deutch), die er zunächst jedoch wieder aus den Augen verliert.

Richard Linklater, Everybody wants some, boyhood, Dazed & Confused

Mit „Everybody Wants Some!!“ knüpft Richard Linklater unübersehbar an zwei frühere Werke an. Wie er selbst betonte, fängt seiner neuer Film den Geist des Kultstreifens „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“ ein, der einen Tag im Leben einer Highschool-Clique schildert. Darüber hinaus lassen sich Parallelen zu Linklaters großartiger Coming-of-Age-Studie „Boyhood“ ziehen, an deren Ende der Protagonist im College ankommt. „Everybody Wants Some!!“ konzentriert sich auf die letzten drei Tage vor Beginn der Lehrveranstaltungen und lässt den Zuschauer parallel mit Neuankömmling Jake in eine aufregend-unbekannte Welt abtauchen.

Interview mit Regisseur Richard Linklater

Partyexzesse, wie sie in amerikanischen Collegefilmen gang und gäbe sind, werden auch hier bemüht. Linklater bringt allerdings das Kunststück fertig, Klischees und Konventionen so aufzubereiten, dass sie nur selten peinlich wirken. Jake und seine Freunde kosten die freie Zeit vor Semesterstart in vollen Zügen aus, genießen es, jung und unbeschwert zu sein, tauschen sich gelegentlich aber auch über ernste Themen aus. Ähnlich wie „Boyhood“ lebt die schwungvoll in Szene gesetzte Hochschulkomödie nicht von überraschenden Wendungen oder komplexen Drehbuchkonstruktionen, sondern baut in erster Linie auf ehrlich-berührende Alltagsmomente, um das Lebensgefühl der Hauptfiguren glaubhaft zu vermitteln. Abgerundet wird der unterhaltsame Schlüssellochblick in das US-amerikanische Collegedasein durch unverbrauchte Darsteller und einen mitreißenden 80er-Jahre-Soundtrack, der dem Geschehen zusätzlichen nostalgischen Glanz verleiht.

Everybody Wants Some!!

Länge: 117 Min.

Regie: Richard Linklater

Darsteller: Blake Jenner, Zoey Deutch, Juston Street, Ryan Guzman, Wyatt Russell, Glen Powell, Temple Baker, J. Quinton Johnson

Kinostart: 02.06.2016