Deepwater Horizon, Mark Wahlberg, Kurt Russell

[030] Filmkritik: Deepwater Horizon

in Filmkritik/Kino

2013 präsentierte US-Regisseur Peter Berg in „Lone Survivor“ die Aufarbeitung einer aus dem Ruder laufenden Militäroperation in Afghanistan, und nun zeichnet er das verheerende Unglück auf der Ölbohrplattform Deepwater Horizon nach, die sich am 20. April 2010 in ein Flammenmeer verwandelte. In beiden Filmen verkörpert Mark Wahlberg integre Protagonisten, die in einer Extremsituation um ihr Leben kämpfen müssen, was, wie immer bei Berg, pathetische Gesten miteinschließt. „Deepwater Horizon“ fällt im Vergleich allerdings erträglicher aus, da sich der Katastrophenstreifen nicht zu einer märtyrergleichen Überhöhung hinreißen lässt.

Als sich der Techniker Mike Williams (Mark Wahlberg) von seiner Ehefrau Felicia (Kate Hudson) und seiner Tochter Sydney (Stella Allen) verabschiedet, um seine Arbeit auf der Bohranlage Deepwater Horizon anzutreten, ahnt er noch nicht, dass er schon bald einer tödlichen Gefahr ins Auge sehen muss. Auf der mobilen Plattform, die 70 Kilometer vor der Küste Louisianas liegt, herrscht bei seiner Ankunft große Anspannung, da Leasing-Nehmer BP mit seinen Förderplänen in Verzug geraten ist. Probleme am Bohrloch sorgen für Verzögerungen und treiben die Kosten in die Höhe. Jimmy Harrell (Kurt Russell), der für die Betreiberfirma Transocean die Crew auf der Deepwater Horizon leitet, setzt zur Sicherheit einige Testbohrungen durch, die allerdings keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Obwohl weiterhin Risiken bestehen, gibt der vor Ort anwesende BP-Manager Donald Vidrine (John Malkovich) schließlich den Startschuss für die Förderung. Eine fatale Entscheidung, denn kurz darauf kommt es zu einem gigantischen Blowout, bei dem Schlamm, Gas und Öl unter enormem Druck an die Oberfläche schießen. Nur wenig später steht die Plattform lichterloh in Flammen.

Deepwater Horizon, Kate Hudson, Mark Wahlberg
Mike Williams (Mark Wahlberg) und seine Frau Felicia (Kate Hudson) – Credit: Studiocanal

„Deepwater Horizon“ basiert auf einem Artikel aus der New York Times, der den Hergang des Unglücks detailliert beschreibt. Bei den auftretenden Figuren handelt es sich um real existierende Personen, die den Super-GAU miterleben mussten, was dem Film eine besondere Brisanz verleiht. Die Langzeitfolgen der Katastrophe – im Zuge der Ölpest verendeten etwa unzählige Tiere – greift Berg lediglich am Rande in erklärenden Texttafeln und dem Bild eines ölverschmierten Vogels auf, der gegen eine Schiffswand kracht. Die Aufmerksamkeit gilt den Stunden vor und nach dem Ausbruch des Infernos, dem elf Arbeiter zum Opfer fielen. Versah der Regisseur die Leidensgeschichte des von Wahlberg verkörperten Soldaten in „Lone Survivor“ noch mit reichlich Pathos und aufdringlich-patriotischen Tönen, tritt er dieses Mal ein wenig auf die Bremse, auch wenn das letzte Drittel mit verstärktem Zeitlupeneinsatz, wehenden US-Flaggen und einem Gebet vor dem Hintergrund der brennenden Bohrinsel alles andere als nüchtern ausfällt. Den Protagonisten Mike Williams beschreibt das Drehbuch als einen ehrlich-gewissenhaften Arbeiter, der im Angesicht der Katastrophe seinem Überlebensinstinkt folgt, dabei aber nicht zu einem Superhelden mutiert.

DEEPWATER HORIZON, Kurt Russell, John Malkovich
Vidrine (John Malkovich) und Jimmy Harrell (Kurt Russell) -Credit: Studiocanal

Erzählerisch ist „Deepwater Horizon“ simpel gestrickt, was schon die allzu funktionalen Familienszenen am Anfang und die einseitige Zeichnung Vidrines unterstreichen, dem John Malkovich immerhin kleine Nuancen verleiht. Jederzeit spürbar ist das Bemühen, die Arbeit und die Atmosphäre auf der Ölplattform so authentisch wie möglich abzubilden. Technische Abläufe geraten genauer in den Blick, und auch die Dialoge sind mit Fachvokabeln durchsetzt. Voll in seinem Element ist Peter Berg, wenn er die Hölle auf der eigens für den Film nachgebauten Förderanlage losbrechen lässt und den Zuschauer über taumelnde Handkamerabilder, beeindruckende Spezialeffekte und eine intensive Klangkulisse in das um sich greifende Chaos hineinzieht. Actionkino, das an die Nieren geht und eine Vorstellung von der Verwirrung, Hilflosigkeit und Panik der Betroffenen vermittelt.


Deepwater Horizon
Länge:
107 Min.
Regie: Peter Berg
Darsteller: Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Kate Hudson
Kinostart: 24.11.2016