Zuschauer, denen die selbstironische Haltung der knallbunten Marvel-Filme langsam, aber sicher auf den Senkel geht, dürften sich an Zack Snyders grimmig-düsterer Superhelden-Konfrontation „Batman v Superman: Dawn of Justice“ erfreuen. Wer sich allerdings ein wunderbar ausbalanciertes Blockbuster-Spektakel im Stil der Christopher-Nolan-Trilogie erhofft, sollte seine Erwartungen vorsorglich ein wenig zurückschrauben.

Der zweite Beitrag des sogenannten „DC Extended Universe“ setzt dort an, wo der ebenfalls von Snyder inszenierte Vorgänger „Man of Steel“ seinen Abschluss fand: Aus der Perspektive des Gerechtigkeitsfanatikers Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck) erleben wir, wie die Großstadt Metropolis beim Kampf zwischen Superman (Henry Cavill) – eigentlich: Clark Kent – und seinem kryptonischen Widersacher General Zod 9/11-gleich in Chaos und Verwüstung versinkt. Ein Anblick, der den Ritter im Fledermaus-Kostüm zu der Einsicht bringt, dass der Held mit dem roten Cape eine Bedrohung für die Menschheit darstellt. Weshalb Batman irgendwann zum Angriff auf den vermeintlichen Weltenretter bläst. Involviert in die Auseinandersetzung ist auch der genialische Unternehmer Lex Luthor (diabolisch-hyperaktiv: Jesse Eisenberg), der eine eigene Agenda verfolgt.

batman, superman, DC Comics, 030 Magazin

Men vs God. Henry Cavill als Superman. © Warner Bros.

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, zumal Regisseur Zack Snyder vor der Pressevorführung in einer Videobotschaft die Bitte an die versammelte Kritikerschar richtete, wichtige Plot-Entwicklungen in den Besprechungen zurückzuhalten. Ohne zu viel zu verraten, lässt sich allerdings sagen, dass „Batman v Superman: Dawn of Justice“ bemüht ist, seine ikonischen Titelfiguren umfassender auszuleuchten. Welche Art Helden braucht die Welt der Menschen? Diese Frage steht im Zentrum des Films, der vor allem den gottgleichen Superman einer kritischen Prüfung unterzieht. Schließlich hat sein beherztes Handeln immer wieder drastische Kollateralschäden zur Folge.

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 Ben Affleck als Batman. Hat er den Weg gefunden Superman zu besiegen? © Warner Bros.

An die psychologische Tiefe der Nolan-Werke reicht Snyders Superheldendämmerung jedoch nicht heran, wobei Ben Affleck – gerade seine Verpflichtung wurde vorab heiß diskutiert – und Henry Cavill erfreulich solide Leistungen abliefern. Auch wenn das Drehbuch mehr Augenmerk auf erzählerische Feinheiten legt als „Man of Steel“, denkt es spannende Aspekte leider oftmals nicht zu Ende. Schlampig wirkt etwa die Motivation, die Batmans Rachefeldzug überhaupt erst ins Rollen bringt. Und auch das Verhalten der Protagonisten im Finale wirft einige Fragen auf.

Gelingt es Snyder, mehrere wuchtig-opulent inszenierte Actionpassagen geschickt auf die ersten zwei Drittel des Films zu verteilen, tendiert der überlange Showdown deutlicher zum ermüdenden Exzess des Vorgängers. Die Figuren werden hier unter eine CGI-Welle begraben. Und man wünscht sich in jedem Fall, dass kommende Filme aus dem DC-Universum – schon im Sommer startet „Suicide Squad“ – inhaltliche Substanz noch wichtiger nehmen.

Batman v Superman: Dawn of Justice

Länge: 153 Min.

Regie: Zack Snyder

Darsteller:

Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Jesse Eisenberg,
Jeremy Irons, Gal Gadot, Holly Hunter, Laurence Fishburne

Kinostart: 24.03.2016