[030] Buchtipps für den Dezember

in Stadtleben

In einem Punkt sind wir uns alle einig: Der Berliner Winter ist pfui! Da hilft nur eine Sache: sich mit einer guten Lektüre und heißer Schoki ins Bett verkrümeln. Um den Kakao müsst ihr euch selber kümmern, die richtigen Buchtipps haben wir ab jetzt jeden Monat für euch.

Neil Gaiman –  Sandman Ouvertüre (Panini Comics)

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Ein Stern ist verrückt geworden. Mit einem Mädchen namens Hope und einer anderen Version seiner selbst in Gestalt einer Katze muss der Herrscher des Traumlandes das Ende des Universums verhindern. So märchenhaft ist die Welt von Sandman.
Unvorstellbar, dass das letzte Heft der ursprünglichen Reihe vor inzwischen 20 Jahren erschienen ist. Die mehrfach ausgezeichnete Geschichte um Dream, den Herr der Träume, ist voller Referenzen auf Mythologie und Literatur und bei Panini in 10 Sammelbänden auf Deutsch erschienen. Ein Märchen für Erwachsene, nicht für Disney-Fans. Nachdem er für Werke wie „American Gods“ inzwischen zum gefeierten Romanautor geworden ist, kehrt Neil Gaiman zu seinen Wurzeln und seiner ikonischsten Comicfigur zurück, um eine Vorgeschichte zu erzählen. Mit Erfolg: Der nonlineare, dabei aber nicht anstrengende, sondern quasi schwebende Erzählstil, die philosophischen Motive und die unheimlich vielseitigen und detaillierten Zeichnungen von J.H. Williams III verleihen „Ouvertüre“ den Zauber des Originals. (mr)

 

Martin „Gotti“ Gottschild – Im Würgegriff des Wanderfalken (Loob)

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Gotti ist passionierter Schnurrbartträger, ein Teil des Duos „Tiere streicheln Menschen" und hat jetzt seinen dritten Erzählband herausgegeben. Ein charmantes Potpourri aus skizzenhaften Storys über Freaks, Familie, den Großstadtwahnsinn und ihn selber.
Lernen kann man dabei einiges – zumindest, wenn man auf Wissen aus der Kategorie „Unnützes" steht. Dass Margaret Thatcher das Softeis miteinwickelt hat zum Beispiel, oder dass Gotti eine ausgeprägte Leidenschaft für den Videotext hat, bittere Orangenmarmelade aber gar nicht mag. Jede der 26 Kurzgeschichten wird mit absurden Dias abgeschlossen, die er auf dem Flohmarkt gesammelt hat – inklusive herrlich schräger Kommentare. Ein Traum von Assoziationsketten. Wieviel davon Realität ist, interessiert da am Ende herzlich wenig. Sicherlich, Gotti ist immer noch der größte Freak von allen – häufig zynisch, manchmal böse, aber immer urkomisch. (ch)

Nils Honne – Corporate Anarchy (Divan)

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Die packende Geschichte eines ehemaligen Werbetexters über einen ehemaligen Werbetexter, der sich für eine bessere Welt entscheidet und schließlich zum Terroristen wird. Thriller pur – moralischer Zwiespalt inklusive.
Marvin ist ein normaler Typ – so durchschnittlich wie sein Name. Dafür hat er einen coolen Job als Werbetexter. Es könnte alles ganz geschmeidig laufen, bis er feststellt, dass die Welt ihn anwidert. Um den Lügen, zu denen er tagsüber mit seinen Texten beiträgt, ein Ende zu setzen, beginnt er ein Doppelleben. Erst sind es Demonstrationen, dann taucht er mit Lennard, den er auf einer Demo kennenlernt, in den Untergrund ab. Gemeinsam ziehen sie die zur Rechenschaft, die für das Leid der Welt verantwortlich sind. Doof nur, dass auch Lennard ein falsches Spiel spielt. Am Ende ist man selber ganz hin- und hergerissen: War das jetzt moralisch? Gibt es so etwas wie einen gerechten Terror? Und wie weit dürfen die beiden mit ihren Aktionen gehen? Für Zartbeseitete ist dieser Thriller mit all seinen Gewaltszenen in jedem Fall nichts. Fürt alle anderen gilt: Ran da. (ch)